close
Erklärt

Das Todesdreieck im Gesicht: wo man keine Pickel ausquetschen soll

Aus einem bestimmten Bereich des Gesichts kann das Blut in Richtung Gehirn fliessen. Schwimmen Bakterien mit, kann das gefährliche Folgen haben.

3 Leseminuten

Illustration Simon Tanner / NZZ

Leserfrage: Was hat es mit dem «Dreieck des Todes» im Gesicht auf sich, in dem man keine Pickel ausquetschen soll?

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Führen Sie einmal Ihren Zeigefinger vom linken Mundwinkel zum rechten, dann hinauf zur Nasenwurzel zwischen den Augen und wieder hinunter zum Startpunkt, dem linken Mundwinkel. Sie haben ein Dreieck geformt, das zwei wenig schmeichelhafte Namen hat: Gefahrendreieck sagt man dazu – oder sogar Todesdreieck.

Wohl & Sein antwortet

In der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].

In dieser Region des Gesichts – der Oberkiefer gehört auch dazu – können bakterielle Infektionen schwerwiegende Probleme verursachen. Tritt eine solche Infektion auf, sollte man zum Arzt gehen. Und gewöhnliche Pickel lässt man im Gefahrendreieck lieber in Ruhe und drückt sie nicht aus.

Die Venen in diesem Bereich des Gesichts haben nämlich eine Verbindung zum Schädelinneren, genauer gesagt bis zum Sinus cavernosus – ein Hohlraum hinter den Augen, der von Hirnhaut umgeben ist. Hierhin fliesst das Blut aus dem Gehirn ab.

Im schlimmsten Fall: Hirnhautentzündung, Schlaganfall, Tod

Gelangen Bakterien hier hinein, kann es zu einer septischen Sinusvenenthrombose kommen. Das ist eine Verstopfung der venösen Blutbahnen in diesem Bereich – verursacht durch die eindringenden Bakterien und die dadurch ausgelöste Blutgerinnung. Zu den möglichen Folgen gehören Lähmungen der Augenmuskulatur, eine Eiteransammlung im Gehirn, eine Hirnhautentzündung, ein Schlaganfall.

«Das alles ist selten», sagt Georgios Nikolakis, Oberarzt für Dermatologie am Universitätsspital Basel, beruhigend. Seit vierzehn Jahren arbeitet er als Dermatologe und war schon in verschiedenen Kliniken tätig. Nur einmal hat er erlebt, dass eine bakterielle Infektion im Gefahrendreieck gravierende Probleme verursacht hat. Komme das aber vor, müsse unbedingt gehandelt werden, betont er.

«Ohne Antibiotika war eine Sinusvenenthrombose früher zu beinahe 100 Prozent tödlich», sagt Nikolakis. Mithilfe von Antibiotika erholen sich heutzutage viele Betroffene vollständig – vorausgesetzt, die Beschwerden werden früh genug erkannt und behandelt.

«Es gibt ein ganzes Paket von Symptomen, die uns beunruhigen und uns in Richtung einer Sinusvenenthrombose denken lassen», sagt der Dermatologe. Dazu gehören Kopfschmerzen, Fieber, eine geschwollene Augenpartie, in manchen Fällen Doppelbilder und eine Einschränkung der Augenbeweglichkeit. Wer solche Beschwerden spüre und eine bakterielle Infektion im Gefahrendreieck habe, solle umgehend zum Arzt gehen, sagt Nikolakis. «Das ist ein Notfall.»

Bei Infektionen lieber früher zum Arzt gehen

Am besten lässt man es gar nicht erst so weit kommen. Georgios Nikolakis empfiehlt, nicht erst im Ernstfall zum Arzt zu gehen. Eine grössere, mit Eiter gefüllte Stelle im Gefahrendreieck sollte sich ein Arzt auch dann schon anschauen, wenn man noch keine weiteren Beschwerden hat. «Manchen Personen wird dann etwas eher als anderen ein Antibiotikum verschrieben», sagt der Dermatologe. Dazu gehören Menschen mit Diabetes oder solche, deren Immunsystem aus verschiedenen Gründen geschwächt ist. In solchen Fällen ist das Risiko für Komplikationen erhöht.

Wegen eines gewöhnlichen Pickels müsse man sich allerdings keine grossen Sorgen machen. Trotzdem sollte man laut Nikolakis beachten: «Fassen Sie mit den Fingern nicht an den Pickel und drücken Sie ihn nicht aus.» Im schlimmsten Fall kann dadurch nämlich aus einer harmlosen Pustel doch noch eine Gefahrenquelle im Todesdreieck werden.

Doch selbst wenn man versucht, den Pickel in Ruhe zu lassen – viele Menschen fassen sich unbewusst regelmässig ins Gesicht. Deshalb empfiehlt der Dermatologe, auf saubere Hände zu achten und sie regelmässig zu waschen.

Wirksame Hausmittel, um die störenden Pickel schnell und schonend loszuwerden, kann der Fachmann nicht empfehlen. Stattdessen sagt er: «Haben Sie Geduld und sprechen Sie bei Bedarf mit einem Hautarzt, der die Situation beurteilt und eine Behandlung vorschlagen kann.» Auch bei Pickeln ausserhalb des Gefahrendreiecks rät er dazu. Denn wer an den Pusteln drückt, quetscht, knubbelt, riskiert zum Beispiel Narben. Die sind zwar nicht lebensbedrohlich, aber die meisten Menschen wollen trotzdem ohne sie leben.

Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].

Für Sie empfohlen