In der Marina Trogir beginnt eine Reise durch die dalmatinische Inselwelt. An Bord eines modernen Katamarans rückt der Alltag in weite Ferne, während der Wind den Kurs bestimmt.
Die Luft in der Marina Trogir riecht nach Salz, warmem Stein und einem Hauch Diesel. Zwischen den Masten klirren die Fallen, irgendwo läuft Musik. Männer in Bootsschuhen balancieren Kartons mit Wein über schwankende Stege, Kinder schleppen Wassermelonen in Netzen, Frauen verschwinden mit prall gefüllten Einkaufstaschen unter Deck.
In der Sommerhitze glänzt das Wasser wie flüssiges Glas, und in der Marina schiebt sich Boot an Boot – jede Crew kurz davor, in eine eigene Woche voller Meer und Inseln aufzubrechen. Auch wir. Unser Katamaran, die «Katharina», wartet am Ende des Stegs: 42 Fuss lang, vier Kabinen, Baujahr 2023. An Deck steht bereits Ante Cavčić, unser Skipper. 34 Jahre alt, Master of Engineering in Marine Fisheries an der Universität Split, seit vielen Jahren mit Skipperlizenz in der Adria unterwegs. Einer, der den Namen jedes Felsens, in jeder Bucht die Windverhältnisse und in jedem Restaurant den besten Tisch kennt. Er lächelt, als wir an Bord kommen, und sagt: «Wir sind gut vorbereitet. Sobald alles verstaut ist, legen wir ab.»
Der erste Schritt an Bord fühlt sich an wie der Eintritt in eine andere Welt – eine, in der der Horizont das Tagesprogramm vorgibt und der Wind der einzige Fahrplan ist. Schuhe braucht ab jetzt niemand mehr. Noch liegen die Leinen fest, doch schon jetzt ist klar: In ein paar Minuten werden wir sie lösen und mit ihnen alles, was nach Alltag riecht.
Unsere Kinder «aufgeregt» zu nennen, ist ein grobes Understatement. Und schon jetzt staune ich: Der Katamaran bietet mehr Komfort, als ich mir vorgestellt hatte: vier Kabinen, jede mit eigenem WC und Dusche, eine Küche mit Herd und grossem Kühlschrank und, was die Kinder völlig aus dem Häuschen bringt: eine Eismaschine.
Ein paar Monate zuvor, im tiefsten Schweizer Winter, war aus einer Idee ein Plan geworden: eine Woche segeln – nur wir vier und ein Skipper. Griechenland oder Kroatien? Wir entschieden uns für die dalmatinische Küste; Inseln wie Perlen, kurze Etappen, warmes Wasser, malerische Städtchen.
Der erste Abend beginnt mit einer kurzen Fahrt hinaus zwischen zwei unbewohnte Inseln. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sehen kann. Wir springen hinein, schwimmen von Ufer zu Ufer, klettern über Steine, deren Oberfläche von Salz und Sonne geglättet ist. Nach einer Erfrischung steuern wir die Šešula-Bucht auf Šolta an.
Hier ankern wir direkt vor der Konoba Šešula, einem in den Fels gebauten Restaurant. Wir setzen mit dem Dingi über, essen fangfrischen Fisch, Kartoffeln und Gemüse vom Grill – und übernachten anschliessend gleich hier, in der geschützten Bucht vor dem Restaurant. Am Morgen füttern wir die Fische mit Brotkrumen, bevor wir weiterfahren – an Šolta und Brač vorbei, in die fünffingrige Bucht Luka Tiha auf Hvar.
Kein Haus weit und breit, nur Natur. Zwischen Kiefernwäldern ankern Boote, und überall werden die Water-Toys des Sommers ausgepackt: SUPs, Hydrofoils, Unterwasser-Scooter und alles dazwischen.
Am Abend erreichen wir Stari Grad, die älteste Stadt Kroatiens, gegründet von Griechen im 4. Jahrhundert v. Chr. Die Gassen sind aus hellem Stein, schmal und kühl, in den Fenstern hängt getrockneter Lavendel. Unser Liegeplatz ist reserviert – ohne Buchung ginge hier im August gar nichts. Wir bummeln durch die Altstadt und merken, als wir auf den Katamaran zurückkehren, dass ein heftiges Gewitter aufzieht. Und dann geht’s los. Sicher ist, wer diese Nacht im Hafen verbringen kann.
Am nächsten Tag kaufen wir in der reingewaschenen Altstadt noch frisches Gemüse und Früchte ein und ziehen weiter. Vor der Stadt Hvar liegen die Paklinski-Inseln, ein Archipel aus rund zwanzig kleinen Eilanden. Ihr Name stammt vom Kiefernharz Paklina, das im Schiffbau verwendet wurde; im Dialekt bedeutet es auch «Hölle» – ein ironischer Beiname, denn diese Inseln sind paradiesisch. Wir ankern in Buchten, deren Wasser türkis ist, bis auf den Grund durchsichtig. Wir suchen Oktopusse, beobachten Seeigel und Seegurken, streifen über die Inseln, von Bucht zu Bucht. Das Schöne an diesem Inselhopping: Es gibt immer etwas zu entdecken, es ist langsam, aber nie langweilig.
Und wo es besonders gefällt, bleibt man einfach länger. Ein weiterer Höhepunkt ist Vis, genauer gesagt Komiža. Das Städtchen liegt in einer Bucht, Häuser und Restaurants reichen fast bis ins Meer. Hier wurde der Film «Mamma Mia!» gedreht. Die Strände sind aus hellem Kies, umrahmt von Kiefern, das Wasser ist kühl und klar. Die letzte Nacht verbringen wir vor Brač, der Insel, deren heller Kalkstein seit Jahrhunderten in Palästen und öffentlichen Gebäuden verbaut wird. Wir paddeln mit dem SUP, springen ins Meer, essen an Bord ein Stir-Fry, das Vater und Sohn gemeinsam zubereiten. Der Abend ist still, das Meer glatt wie Glas.
Segeln auf einem Katamaran ist eine Mischung aus Abenteuer und Komfort. Man lebt nah an der Natur und hat dennoch Dusche, Küche und weiche Betten. Der Tagesrhythmus folgt Wind und Wetter: morgens ins Meer springen, mittags in einer Bucht ankern, schwimmen, lesen; abends im Hafen flanieren oder Kartenspiele spielen. Aufgaben verteilen sich fast von selbst – einer kocht, einer hält die Heckleine, einer holt mit dem Dingi Brot. Handgewaschene T-Shirts trocknen tagsüber im Wind. Der vielleicht wichtigste Faktor für eine entspannte Woche war unser Skipper Ante.
Er plante nicht nur die Route, sondern reagierte flexibel auf Wetter und Wünsche, wusste, wo es freie Bojen gab, welches Restaurant in welcher Bucht den besten Fisch serviert und wann man besser ausläuft, bevor der Wind dreht. Er strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, hatte jederzeit alles im Griff, liess die Kinder mitgestalten, ging auf unsere Ideen ein und passte die Pläne spontan an.
Beim Anlegen machte er alles selbst, band uns aber als Unterstützer gut ein – so dass man sich als Teil der Crew fühlte, ohne jemals überfordert zu sein. Er war immer Teil des Teams, sass bei den gemeinsamen Essen an Bord mit uns, zog sich aber oft auch diskret zurück und gab uns als Familie somit auch viel Privatsphäre. Diese Mischung aus Professionalität, Gelassenheit und Empathie machte für uns den Unterschied zwischen einer schönen Reise und einer unvergesslichen.
Kroatien ist für diese Art des Reisens ideal: kurze Distanzen zwischen den Inseln, sichere Häfen, eine Vielfalt an Buchten – von mondän bis menschenleer. Die Kombination aus kristallklarem Wasser, mediterraner Küche, geschichtsträchtigen Orten und der Freiheit, jeden Tag woanders aufzuwachen, ist schwer zu übertreffen. Wer einmal abends auf dem Vorschiff eines Katamarans gesessen hat, während die Sonne im Meer versank, versteht, warum so viele Segler süchtig werden nach diesem Gefühl und diesen Momenten.
Edelweiss fliegt Split ab Zürich direkt an. Die Marina Trogir ist in zehn Minuten Fahrt erreichbar.
Die Schweizer Charteragentur Bluetrips organisiert rund ums Segeln alles – Boot, Skipper, Equipment.
In einer Woche von Trogir über Šolta nach Hvar, von dort ein Abstecher nach Vis, Rückreise via Brač nach Trogir.
Kamerlengo in Trogir, Konoba Šešula (Insel Šolta), Barba in Komiža (Insel Vis).