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Kommentar

Trump riskiert ein nukleares Wettrüsten in der Golfregion

Der amerikanische Präsident verspricht sich von dem jüngsten Abkommen mit Saudiarabien geopolitische und wirtschaftliche Vorteile. Dafür nimmt er eine unnötig grosse Gefahr in Kauf.

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Die USA bieten Hand zu einem Atomprogramm in Saudiarabien. Kronprinz Mohammed bin Salman und Donald Trump im Mai 2025 in Riad.

Imago

Für Mohammed bin Salman ist am Mittwoch ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen: Das Königreich Saudiarabien und die USA haben einen Atompakt unterzeichnet. Das Abkommen sieht vor, dass die USA den Saudi beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen. Amerikanische Unternehmen erhalten damit Zugang zu einem Geschäft, dessen Volumen auf mehrere Dutzend Milliarden Dollar geschätzt wird.

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Auf den ersten Blick profitieren beide Länder davon: Die USA exportieren ihre Technologie, schaffen Stellen im eigenen Land und halten Konkurrenten wie China und Russland aus einem strategisch wichtigen Markt fern. Das immer noch stark vom Erdölexport abhängige Saudiarabien wiederum kann seine Energiequellen diversifizieren und mithilfe von Atomkraftwerken den wachsenden Strombedarf im Königreich decken. Zugleich könnte es mehr Erdöl für den Export freihalten.

Das Abkommen hat jedoch einen Haken: Es schliesst eine künftige Urananreicherung in Saudiarabien nicht aus. Diese könnte dem Königreich langfristig den Weg zu einem eigenen Atomwaffenprogramm ebnen und ein nukleares Wettrüsten im Nahen Osten auslösen. Das ist ein unnötig grosses Risiko – zumal in einer Zeit, in der die USA Iran militärisch und politisch dazu zwingen wollen, auf die Urananreicherung zu verzichten.

Rubio verharmlost die Gefahr

Der amerikanische Aussenminister Marco Rubio versicherte zwar: «Die USA werden mit keinem Land der Welt ein Abkommen schliessen, das die Gefahr einer Weiterverbreitung von Atomwaffen mit sich bringt.» Doch damit verharmlost er die Gefahr. Schliesslich hat der saudische Kronprinz mehrfach erklärt, dass sein Land nach Atomwaffen streben werde, sollte Iran eine Atombombe bauen.

Wie gross das Risiko ist, dass Saudiarabien in absehbarer Zeit Atomwaffen entwickelt, hängt nicht allein von der Technologie ab, die Washington nach Riad liefert. Entscheidend ist auch, wie streng die saudischen Anlagen überwacht werden. Das Abkommen sieht zwar bilaterale Kontrollen vor. Aber Saudiarabien muss sich offenbar nicht dem Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergieagentur unterwerfen, das unangekündigte und umfangreichere Inspektionen ermöglichen würde. Fest steht deshalb schon jetzt: Der Atompakt macht den Nahen Osten nicht sicherer.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mohammed bin Salman noch jahrzehntelang über Saudiarabien herrscht, ist zwar gross – schliesslich ist der Kronprinz und faktische Herrscher des Landes gerade einmal 40 Jahre alt und hat mögliche Konkurrenten weitgehend entmachtet. Dennoch ist vorstellbar, dass die 30 Jahre lange Laufzeit des Abkommens die saudische Monarchie überlebt und das Atomprogramm anderen Herrschern in die Hände fällt. Auch Iran begann unter dem Schah und mit amerikanischer Unterstützung mit dem Aufbau eines zivilen Atomprogramms.

Trump will Saudiarabien stärker an die USA binden

Die Frage, wer in drei Jahrzehnten in Riad herrscht, kann Trump getrost vernachlässigen: Seine Amtszeit wird dann längst Geschichte sein. Der amerikanische Präsident konzentriert sich deshalb auf das Hier und Jetzt und will Saudiarabien stärker an die USA binden. Als einer der grössten Erdölexporteure der Welt hat das Königreich massgeblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft – und damit auch auf die USA.

Zugleich hat der Krieg gegen Iran offengelegt, wie begrenzt die amerikanischen Sicherheitsgarantien für die Golfstaaten inzwischen sind. Washington kann seine Partner nicht vor sämtlichen iranischen Angriffen schützen, während es selbst Krieg gegen Teheran führt. Das verstärkt in Riad die Zweifel an der Verlässlichkeit der USA. Zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit hatte Mohammed bin Salman den Amerikanern Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich in Aussicht gestellt. Dafür erwartet Riad offensichtlich Zugeständnisse. Der Atompakt ist eines davon.

Trump hat dabei allem Anschein nach auf jene besonders strengen Auflagen verzichtet, die für die nukleare Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gelten: Die Emirate dürfen weder Uran anreichern noch verbrauchte Brennstäbe wiederaufbereiten. Ausserdem haben sie sich weiterreichenden Kontrollen der Internationalen Atomenergieagentur unterworfen. Dass Trump Saudiarabien diese Bedingungen nicht auferlegt, untergräbt ausgerechnet jene nukleare Ordnung, die er im Fall Irans mit Gewalt durchsetzen will.

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