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Donald Trump kann den Krieg gegen Iran nicht gewinnen

Was als kurzer Luftkrieg angelegt war, droht zu einer langfristigen Auseinandersetzung zu werden. Amerikas Schwäche ist Irans Stärke.

Ulrich Speck
4 Leseminuten

Teheran im Juli, das Plakat soll Stimmung gegen Trump machen.

Morteza Nikoubazl / Imago

Man hat sich mittlerweile an die neue Phase der Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran gewöhnt. Mal wird nett geredet und verhandelt, dann werden wieder Unfreundlichkeiten ausgetauscht. Mal wird geschossen, dann herrscht wieder Waffenruhe. Mal können Öltanker die Strasse von Hormuz passieren, dann herrscht wieder Stillstand. Ein ständiges Hin und Her.

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Ist das nur die Ruhe vor dem grossen Sturm? Oder doch das letzte Kräftemessen vor einem Friedensschluss? Wahrscheinlich weder das eine noch das andere.

Die wahrscheinlichste Fortsetzung des Iran-Kriegs ist ein unbefriedigendes Hin und Her, nicht ganz Krieg und sicher nicht Frieden. Beide Seiten halten sich selbst für stärker und glauben, entscheidende Vorteile gegenüber dem Gegner zu haben. Keiner denkt auch nur ans Aufgeben.

Amerikas Schwäche

Amerika verfolgte im Lauf der Monate verschiedene Ideen und Kriegsziele. Zunächst hoffte Trump, dass der Angriff von aussen von einem Aufstand von innen begleitet würde. Als dies nicht geschah, setzte Washington seine Hoffnung auf die Führung in Iran. Man versuchte, mit ihr einen Deal auszumachen, der alle vier Probleme wenn nicht lösen, so doch entschärfen würde: Irans Atomprogramm, das Raketenprogramm, die Unterstützung verbündeter Stellvertretermilizen im Nahen Osten und schliesslich die Blockade der Strasse von Hormuz.

Nachdem beides gescheitert ist, der Regimewechsel wie auch ein Abkommen, setzten die USA erneut auf die Seeblockade gegen iranische Öltanker und auf Militärschläge. Im Gegenzug hat Iran wieder die Strasse von Hormuz gesperrt und amerikanische Militärstützpunkte in den Golfstaaten angegriffen.

Die auf vier bis sechs Wochen geplante Militäroperation, welche die USA am 28. Februar begann, droht sich zu einer langfristigen Auseinandersetzung zu entwickeln. Iran erweist sich als militärisch erheblich stärker als erwartet. Das Regime zeigt keinerlei Anzeichen, sich dem amerikanischen Druck zu ergeben.

Der Krieg war von amerikanischer Seite als begrenzter Schlag aus der Luft angelegt. Die rote Linie auf der Seite der USA ist: keine Bodentruppen, keine Besetzung. Also kein «forever war», der endlos amerikanische Ressourcen benötigt und angesichts der unübersichtlichen Lage am Boden voraussichtlich mit einer beträchtlichen Zahl von amerikanischen Kriegsopfern einhergehen würde.

Für einen solchen Krieg hätte Trump zu Hause keine Unterstützung. Insbesondere bei seiner stärksten Unterstützergruppe, den Maga-Republikanern, ist die Ablehnung gegenüber grossen Kriegen weit verbreitet. Der Irakkrieg gilt weithin als teurer Irrtum, den man auf keinen Fall wiederholen will.

Die Begrenzung auf den Luftkrieg aber ist eine erhebliche Einschränkung für die USA. Luftangriffe können massive Schäden hervorrufen und den Gegner materiell schwächen. Wenn der Gegner aber daraufhin nicht einlenkt und kein Aufstand von innen erfolgt, werden sie zur stumpfen Waffe.

Zugleich kann sich Washington nicht einfach zurückziehen. Es ist für die USA wichtig, dass die Strasse von Hormuz wieder frei befahrbar wird. Zum einen geht es um die Sicherung der globalen Energiemärkte. Zum anderen müssen die USA die Golfstaaten schützen, sie sind neben Israel ihre wichtigsten regionalen Verbündeten.

Irans Stärke

Iran hingegen hat ein leichtes Spiel. Alles, was das Regime tun muss, ist, nicht aufzugeben und sich nicht zu unterwerfen. Teheran sieht sich in einer Position der Stärke, weil die USA nur mit begrenzten Mitteln agieren.

Eigentlich ist Iran ökonomisch und militärisch erheblich geschwächt. Doch reichen die verfügbaren Ressourcen aus, um einerseits im Inneren die Kontrolle zu bewahren und andererseits genügend militärische Fähigkeiten aufrechtzuerhalten, um die amerikanischen Verbündeten in der Region zu beschiessen und weiterhin die Strasse von Hormuz zu kontrollieren.

Längerfristig hat das iranische Regime mehr als nur eine Überlebensperspektive. Mithilfe seiner strategischen Partner Russland und China könnte es sein Raketenprogramm vorantreiben und dadurch grössere militärische Stärke gewinnen.

Ein Patt zwischen Amerika und Iran

Zwischen Amerika und Iran gibt es ein Patt. Trump sieht daher keine andere Möglichkeit, als wieder militärisch zu eskalieren und den ökonomischen Druck auf das Regime durch die Seeblockade zu erhöhen. Aussteigen kann er nicht. Und je näher die Kongresswahlen im November rücken, umso mehr wächst der Druck zu Hause auf Trump, den Iran-Krieg zu beenden.

Der «Washington Post»-Kolumnist David Ignatius rät Trump, die Strasse von Hormuz gewaltsam zu öffnen und anschliessend einfach zu warten, bis das Regime aufgrund innerer Widersprüche und Schwäche kollabiert. Wenn der Iran das Atomprogramm wieder starte, könne man wieder bombardieren.

Das aber wäre nicht billig. Zum einen müsste die Strasse von Hormuz von US-Truppen gesichert werden. Zum anderen müsste eine militärische Eindämmung auf Dauer stattfinden. Mit immer neuen Luftangriffen müsste Iran daran gehindert werden, sein Atom- und sein Raketenprogramm weiterzuverfolgen.

Die Alternativen für die USA bleiben damit unverändert. Ein Abkommen, das die Macht- und Rüstungsambitionen Teherans dauerhaft beschränkt, wird es nicht geben. Also bleibt nur der Regimewechsel. Doch der kann nur von innen kommen.

1 Kommentar

Tobias Suter

2 Empfehlungen
Trump könnte den Krieg vielleicht gewinnen, wenn er sich auf einen verlustreichen und noch teurerern Bodenkrieg einlassen würde. Das wiederum wird er sicher vermeiden wollen, da dies einem innenpolitischen Harakiri gleich kommen würde. Daran würde auch nichts ändern, wenn er die absehbaren Zwischenwahlen abblasen würde. Er würde seine treue Anhängerschaft verlieren und damit als „Präsident ohne Kleider“ dastehen. Jetzt sucht Trump verzweifelt einen Exit aus dem unnötige und unbedacht begonnen Krieg. Mangels diplomatischer Kompetenz und Fähigkeit ist auch eine friedliche Lösung in weiter Ferne. Gut, dass sich Europa nicht in diesen Krieg hat hineinziehen lassen. Trump und seine Wadenbeisser sollen selber den Ausgang finden.

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