
Briefing am Montagabend
Das Wichtigste am Abend: Burnham zum neuen britischen Premierminister ernannt ++ Selenski nach Ministerentlassung unter Druck ++ Evans über die Debatte um die Einzigartigkeit des Holocaust
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Das lesen Sie nur in der NZZ: Die Wende zur Elektromobilität geht nicht so schnell voran, wie sich das Politiker in Bern und Brüssel vorgestellt haben. Die Folgen zeigen sich bei den CO2-Vorgaben: Schweizer Autoimporteure müssen rund 100 Millionen Franken an Strafe zahlen, weil sie die Ziele verfehlt haben. Die EU hat die Sanktionen dagegen verschoben. Das sollte Anlass sein, endlich auf eine bessere Regulierung umzustellen. Zum Kommentar
Das Wichtigste am Abend
Vom Bürgermeister zum Premierminister: Andy Burnhams schwierigste Aufgabe steht noch bevor
Das ist passiert: Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. hat den Chef der Labour-Partei mit der Regierungsbildung beauftragt. Burnham kündigte am Montag die «grössten Veränderungen der vergangenen vierzig Jahre» an und versprach, noch in diesem Jahr einen Zehnjahresplan vorzulegen. Im Mittelpunkt seiner Agenda sollen vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten stehen. Zum Bericht
Darum ist es wichtig: Burnhams Vorgänger Keir Starmer war weniger an seinen politischen Entscheiden gescheitert als daran, dass er es allen recht machen wollte. Am Ende wussten viele nicht mehr, wofür Starmer eigentlich stand. Burnham, der zuvor Bürgermeister von Greater Manchester war, muss sich nun im Zentrum der Macht beweisen. Entscheidend wird sein, eine klare politische Linie zu verfolgen und diese der Bevölkerung überzeugend zu vermitteln.
Das ist der Hintergrund: Andy Burnham ist bereits der siebte britische Premierminister innerhalb von zehn Jahren. Auch sein Vorgänger war nach einem Erdrutschsieg von Labour als Hoffnungsträger ins Amt gekommen. Burnham startet unter besseren Vorzeichen: Laut Umfragen ist er bereits zu Beginn seiner Amtszeit populärer als Starmer bei dessen Amtsantritt.
Aufruhr in der Ukraine: Der Stuhl des Armeechefs wackelt, Selenski steht unter Zugzwang
Das ist passiert: Bereits den fünften Tag in Folge demonstrieren Tausende Menschen in Kiew und anderen Städten. Sie fordern die Rückkehr des populären Verteidigungsministers Michailo Fedorow sowie die Entlassung des Armeechefs Olexander Sirski. Präsident Wolodimir Selenski hat kürzlich signalisiert, dass er einen Wechsel an der Spitze der Streitkräfte nicht ausschliesst. Ungeachtet der Führungskrise in Kiew geht der Krieg mit unverminderter Härte weiter. Zur Analyse
Darum ist es wichtig: Selenski steckt in einer seiner grössten politischen Krisen seit Amtsbeginn. Wie vor einem Jahr bei den Protesten gegen die Entmachtung der Anti-Korruptions-Ermittler zeugen die Aktionen auf den Strassen von einer lebendigen Bürgergesellschaft und einer kritischen Haltung zur Staatsführung. Auch in den ukrainischen Medien wird Selenskis Vorgehen mit kritischem Unterton analysiert.
So könnte es weitergehen: Selenski hat in dieser Situation keine guten Optionen. Er scheint aber erkannt zu haben, dass er vorschnell gehandelt hat. So führt er seit Freitag ausführliche Beratungen mit seinen wichtigsten Kommandanten auf Korps- und Brigadestufe. Laut Gerüchten soll Fedorow in der Regierung einen neuen Posten erhalten, als Koordinator für Militärtechnologie.
Was sonst noch passiert ist
- Die SVP des Kantons Schwyz nimmt den Wolf ins Visier: Die Partei will Geld für Wolfsjäger sammeln, die illegal ein Raubtier abschiessen. Der Streit um drohende Bussen für Jäger bei Fehlschüssen sorgt für Zündstoff zwischen der kantonalen Jagdverwaltung und der SVP. Zum Bericht
- Wer in Zürich sein PK-Kapital bezieht, bezahlt viel mehr Steuern als in anderen Kantonen: Doch die Regierung lehnt eine Initiative ab, die tiefere Tarife fordert. Der Finanzdirektor Ernst Stocker ist zwar für eine Senkung der Abgaben auf Kapitalbezüge, weiss aber nicht, wie sie umgesetzt werden soll. Zum Bericht
- Rund um den WM-Final rücken zwei Schweizer ins Rampenlicht: Der Fifa-Präsident Gianni Infantino geleitet den US-Präsidenten Donald Trump zum grossen Moment bei der Siegerehrung. Und Alain Berset, der Generalsekretär des Europarats, sieht für sich selbst einen grossen Moment gekommen. Zur Analyse
- Das südkoreanische Unternehmen Samsung Biologics will Polypeptide übernehmen: Samsung Biologics hat dem Schweizer Pharmahersteller ein Übernahmeangebot für knapp 1,5 Milliarden Franken unterbreitet. Das Beispiel zeigt, dass asiatische Unternehmen auch in der Produktion von Medikamenten ehrgeizige Wachstumspläne verfolgen. Zum «NZZ Pro»-Bericht
- Khalil al-Haya ist der neue Führer der Hamas: Das hat die islamistische Organisation am Montag bekanntgegeben. Zuvor hatte es eine interne Wahl um das Amt innerhalb der Hamas gegeben. Seit der Tötung Yahya Sinwars durch Israel im Oktober 2024 wurde die Organisation von einem fünfköpfigen Führungsrat geleitet, dem auch al-Haya angehörte. Zu den neusten Entwicklungen
- Die EZB-Chefin Christine Lagarde schürt Spekulationen über ein vorzeitiges Ende ihrer Präsidentschaft: Die Gerüchte über einen vorzeitigen Abgang aus Frankfurt kursieren schon seit über einem Jahr. Jetzt flammt die Diskussion wieder auf. Daran ist die wankelmütige Französin selbst schuld. Zum Kommentar
- Zwei Monate vor der Parlamentswahl in Russland gibt Boris Nadeschdin auf: Der Anti-Kriegs-Politiker zieht seine Kandidatur zurück. Nadeschdin war als «ausländischer Agent» gebrandmarkt und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Putins Regime duldet auch moderate Oppositionelle wie ihn nicht mehr. Zum «NZZ Pro»-Bericht
- Die nächtlichen Dopingkontrollen bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard sorgen an der Tour de France für Kritik: Manche Substanzen sind im Körper nur während weniger Stunden nachweisbar. Deshalb testet die International Testing Agency an der Frankreichrundfahrt auch in der Nacht. Solche Tests erhöhen die Glaubwürdigkeit des Radsports. Zum Bericht
Unsere Empfehlung für «NZZ Pro»-Abonnenten

Heinrich Hoffmann / Getty
Nationalsozialistische Verbrechen: Lässt sich Auschwitz mit anderen Menschheitsverbrechen vergleichen? Vierzig Jahre nachdem sich an dieser Frage der Historikerstreit in Deutschland entzündet hat, zieht der britische Bestsellerautor Richard J. Evans Bilanz. Und ordnet auch die koloniale Gewalt ein. Zum Interview
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PD
Virtueller Sommelier: In der Schweiz wird immer weniger Wein getrunken. Der Önologe Charles Perrier sagt, die jüngere Generation trinke zwar weniger, achte aber auf höhere Qualität. Zusammen mit seinem Kollegen Bryan Cornelius versucht er nun, eine digitalaffine Zielgruppe anzusprechen. Ihr Startup hat darum die Plattform Karafe.ch lanciert. Gemäss Befragungen stimmten die vorgeschlagenen Weine zu 75 Prozent mit dem Geschmack der Nutzer überein, sagt Perrier. Zum Hintergrund
Paradies auf Erden: Permakultur umfasst viele Ideen, von Wassermanagement bis Bodenaufbau. Für Bauern ist diese Art der Landwirtschaft eine riesige Umstellung. Sie braucht viel Handarbeit – richtig gemacht kann sie aber sehr produktiv sein. Auf dem Katzhof in Richenthal bei Luzern soll Permakultur vor Dürre und Überschwemmung schützen. Zum Hintergrund
Versuchter Staatsstreich: Der Putsch vom 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler jährt sich heute zum 82. Mal. Eberhard Finckh, der Nachschubchef des Westheeres, war an dem Attentat beteiligt und wurde deshalb vom NS-Regime ermordet. Seine Tochter war damals 5 Jahre alt. Nun erzählt die 87-jährige Christa Funk-Finckh, wie sie damals den Nazis entkam – und zu ihrer jüdischen Gotte nach Zürich zog. Zum Hintergrund
Bevor Sie weitergehen
🎧 Hören: Michailo Fedorow musste trotz vielen Erfolgen letzte Woche seinen Posten als ukrainischer Verteidigungsminister räumen. Er war nur sechs Monate im Amt. Keine 24 Stunden nach seiner Entlassung kam es zu Protesten der Bevölkerung. Der Ukraine-Korrespondent Volker Pabst erklärt in «NZZ Akzent», was dahintersteckt. Zum Podcast
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.
Lillybelle Eisele
Das Briefing erscheint wochentags um 6 und 17 Uhr. Samstags gibt es eine Wochenendausgabe um 7 Uhr.



























