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BAW 212: Geländewagen-Klassiker aus China auf Kurs nach Westen

Von wegen alles nur geklaut: Den Beijing Jeep gibt es schon seit über sechzig Jahren – und jetzt kommt er nach Europa.

Thomas Geiger
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Jetzt kommt auch ein robustes SUV fürs schwere Gelände aus China, das es mit Defender, Wrangler und G-Klasse aufnehmen soll.

Thomas Geiger

Rolex-Uhren, die echt aussehen, Luxustaschen fast von Louis Vuitton und die erfolgreichsten Autos aus Europa, nur mit Touchscreen und Elektroantrieb: Wenn einer kopieren kann, dann sind es die Chinesen. Das ist das alte Klischee.

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Doch die vermeintlich dreiste Kopie, die gerade von sich reden macht, kommt gar nicht aus der Kopieranstalt, sondern ist ein Original. Denn wenn demnächst der BAW 212 den Weg in westliche Märkte findet, ist das nicht etwa ein «Best of» von Defender, Grenadier, G-Klasse und Wrangler, sondern die jüngste Generation eines Autos, das als Beijing Jeep bereits seit den 1960er Jahren durch die Volksrepublik fährt. Und zwar ganz traditionell mit Leiterrahmen-Chassis, Starrachsen und zuschaltbarem Allradantrieb.

Die Chinesen haben das Auto vor gut zwei Jahren noch einmal gründlich erneuert, ähnlich, wie es Land Rover und Mercedes mit ihren kantigen Klassikern auch taten. Aber nur weil jetzt im charakterstarken Gesicht zwei LED-Kringel leuchten und es im Cockpit digitale Instrumente und einen Touchscreen gibt, geht der 4,70 Meter lange Geländewagen noch lange nicht mit der Zeit.

Schon von aussen wirkt der BAW 212 wie ein Relikt, weil die massiven Stossfänger noch immer wirken, als seien sie wie Eisenbahnschwellen an die Fahrzeug-Enden geschraubt. Zudem haben die Kotflügel noch immer aufgesetzte Verbreiterungen, und das Ersatzrad ist aussen angeschlagen.

Alles, was ein Offroader braucht – zum Preis eines VW Tiguan: BAW 212.

Thomas Geiger

Touchscreen und Tasten: Der BAW 212 zeigt sich innen moderner als der Ineos Grenadier.

Thomas Geiger

Auch innen zeigt sich Nostalgie, weil es zu all dem digitalen Bling-Bling noch erfreulich viele Schalter und Tasten gibt. Das Cockpit wirkt wie ein aufgeklappter Werkzeugkasten. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Annehmlichkeiten wie die klimatisierten Massagesitze in der ersten Reihe und die USB-Buchsen, die überall im Auto verteilt sind.

Alte Schule ist beim BAW 212 vor allem der Antrieb. Von Elektromotoren und von Akkus wollen die chinesischen Ingenieure nichts wissen, nicht einmal als Unterstützung für den Verbrenner. Stattdessen gibt es einen konventionellen und kräftig-knorrigen Zwei-Liter-Diesel, der seine 166 PS und 410 Newtonmeter über eine moderne Acht-Gang-Automatik an die Hinterachse überträgt.

Wenn diese es alleine nicht mehr schafft, schaltet man mit einem Kippschalter die Vorderachse dazu und verstärkt die Antriebskraft zusätzlich mit der Getriebeuntersetzung. Dazu gibt es noch zwei Differenzialsperren, die den unverwüstlichen Wagen auf Knopfdruck wieder flottmachen.

Für Situationen, in denen selbst all das nicht reicht, um sich aus einer misslichen Geländesituation zu befreien, gibt es gar eine Seilwinde. Die liefert der Deutschland-Importeur Indimo sogar serienmässig dazu und montiert sie zusammen mit dem Suchscheinwerfer am Bug. Auf der Buckelpiste kann das die letzte Rettung sein, und im Stadtverkehr sieht das Zubehör zumindest ein bisschen nach Camel-Trophy aus und nicht nur nach einem Abstecher nach St. Moritz.

Die Seilwinde auf dem Stossfänger und den Scheinwerfer auf dem Kotflügel gibt es gratis dazu.

Thomas Geiger

Im Gelände dürfte der BAW 212 damit deutlich mehr leisten, als sich Mitteleuropäer zutrauen. Erst recht, wenn das Gelände-Urgestein auch noch auf grobstolligen All-Terrain-Reifen steht. Damit ist er eine echte Alternative zu den teuren Luxus-Geländewagen aus Gaydon, Graz oder Hambach.

Auf der Strasse dagegen fühlt sich der Beijing Jeep tatsächlich ein bisschen an wie ein Auto für China-Cowboys. Die Federung ist eher nonchalant und die Lenkung auch nicht sehr direkt, vom Wendekreis ganz zu schweigen. Vielleicht ist es gut, dass mehr als 160 km/h Höchstgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ohnehin nicht drin sind.

Zwar ist der BAW 212 anders als so viele andere vermeintliche Charakterdarsteller aus China ein Original und kein Kumpel aus dem Copy-Shop. Doch eines hat er mit der Fraktion der Fälschungen und all den neumodischen Nachahmern gemein: den konkurrenzlos günstigen Preis. Er kostet mit allem Drum und Dran 41 850 Euro und damit kaum halb so viel wie die arrivierte Konkurrenz. Automobile Abenteuer gibt es auch zum Discountpreis.

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