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100 Bücher, die die Welt veränderten

100 Bücher, die die Welt veränderten

Diese Autorinnen und Autoren haben neue Ideen formuliert und alte Konzepte über den Haufen geworfen. Sie haben Bücher geschrieben, die Menschen, Gesellschaft und Politik in Bewegung gesetzt haben. Und vielleicht sogar Phantasien entworfen, die später Realität wurden.

Kulturredaktion NZZ am Sonntag
29 Leseminuten

Das Schicksal der Welt scheint derzeit in den Händen einiger weniger Politiker zu liegen, die, berauscht von ihrer Autorität, Kriege anzetteln, ohne an deren menschliche, wirtschaftliche und politische Folgen zu denken. Grosse Tech-Plattformen steuern, was wir darüber erfahren, und künstliche Intelligenz textet uns zu, ohne sich um den Wahrheitsgehalt zu kümmern. All das weckt Unsicherheit, ja Ohnmacht. Und Ohnmacht lähmt uns. Sie lässt uns vergessen, dass die Welt gestaltbar ist.

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Hier bieten wir Ihnen ein Mittel gegen Fatalismus: 100 Bücher, die die Welt verändert haben. Erscheint ein Buch im richtigen Moment, wirkt es wie ein Funke im Strohhaufen. Bücher haben die Welt in vielerlei Hinsicht klüger und lebbarer gemacht (und tun es immer noch).

Die Entdeckung der Freiheit

1
Wilhelm Tell
von Friedrich Schiller
Schiller

Wilhelm Tell begeistert die Menschen seit Jahrhunderten. Jüngst entdeckte Filmrollen zeigen, wie Hollywood den Meisterschützen inszenieren wollte. Mittendrin: Errol Flynn, Sophia Loren und der König von Ägypten. Lesen Sie die Geschichte hier.

Das Buch ist erhältlich bei ExLibris.

2
Kritik der reinen Vernunft
von Immanuel Kant

Das 1781 erschienene Hauptwerk des Philosophen Immanuel Kant (1724–1804) markiert einen Wendepunkt in der Erkenntnistheorie. Kant selbst hat ihn mit der kopernikanischen Wende vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild verglichen. In strenger Systematik untersucht er Umfang und Grenzen unseres Denkvermögens. Er definiert Raum und Zeit als Anschauungsformen des menschlichen Geistes und unterscheidet zwischen den Erscheinungen der Dinge und dem «Ding an sich», das sich unserer Erkenntnis entzieht. Damit setzt er auch die Gottesbeweise ausser Kraft. Im Gegensatz zu anderen Werken, in denen Kant sich als glänzender Schriftsteller zeigt, pflegt er hier, wie Heinrich Heine in seiner «Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland» seufzt, einen «grauen, trockenen Packpapierstil». Manfred Papst

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3
Don Quijote von der Mancha
von Miguel Cervantes

«Don Quijote von der Mancha» zu lesen, kann man 400 Jahre nach seiner Genesis durch Miguel de Cervantes für überflüssig halten. Dass das Werk als erster moderner Roman gilt, der Erzählmuster auf den Kopf stellte, Realität mit Fiktion vermischte und mit falschen Fährten die Leser an der Nase herumführte, muss man nicht wissen, um diese ultrakomischen, bis zum Abwinken grotesken und garantiert komplett misslungenen Abenteuer von Don Quijote und seinem Knappen Sancho noch heute mit grösstem Vergnügen zu lesen. Möglich macht das auch die deutsche Übersetzung von Susanne Lange von 2008. Sie befreite die Figuren von der Last der rostigen Rüstungen und katapultierte Cervantes’ Sprache in die Gegenwart. Statt auf brave Korrektheit achtete sie auf die «Verteilung von Klang, Farbe und Licht» und entstaubte so ein Jahrtausendwerk. Frank Heer

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4
Ein eigenes Zimmer
von Virginia Woolf

1928 soll die Autorin Virginia Woolf in Cambridge einen Vortrag über «Frauen und Literatur» halten, doch sie fragt sich, was damit gemeint ist: Literatur über Frauen, Literatur von Frauen oder Frauen in der Literatur? Woolf beginnt eine anregende Recherchereise und entdeckt, dass alles zusammenhängt. Bildung und Vermögen waren lange ein männliches Privileg, bis zum 18. Jahrhundert gibt es kaum überlieferte Literatur von Frauen. Und erst als es mehr Autorinnen gab, änderten sich die gängigen Rollen von Frauen in der Literatur. Sie waren nicht mehr nur Mütter und Geliebte, sondern Freundinnen, Schwestern, Individuen. Das eigene Zimmer dient Woolf als Chiffre für die materiellen Bedingungen, die das Schreiben erst ermöglichen. Ihr Nachdenken über den Anspruch von Frauen auf Ruhe, Zeit und Selbstbestimmung inspiriert die Literaturwissenschaft bis heute. Gina Bachmann

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5
Warten auf Godot
von Samuel Beckett

Wer ist er denn nun, dieser geheimnisvolle Godot? Tagelang warten zwei Landstreicher auf ihn. Sie können und dürfen nicht weg, solange er nicht aufgetaucht ist. 1948, gerade mal drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, pflügte der irische Autor Samuel Beckett mit seinem Stück «Warten auf Godot» sämtliche Erwartungen daran um, worin der Sinn einer Bühnenhandlung besteht und wie ein Stück formal aufgebaut sein soll. Es war die Geburtsstunde des absurden Theaters. Trotzdem – oder gerade deshalb – war das Stück auf Anhieb ein Erfolg, verbreitete sich schnell international, so dass bald halb Europa darüber rätselte, ob Godot denn nun für Gott stehe, für den Tod oder für den Sinn des Lebens. Das hinterliess Spuren bis hinein in die Alltagssprache. Bis heute steht der Ausdruck «Warten auf Godot» sprichwörtlich für ein vergebliches, sinnloses Warten auf etwas, das niemals eintritt. Anna Kardos

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6
Die satanischen Verse
von Salman Rushdie

Der Fluch eines Buchs: 1988 veröffentlichte Salman Rushdie seinen Roman «Die satanischen Verse» über zwei Muslime. Dann verhängte der iranische Ayatollah die Fatwa: den Aufruf an alle Muslime, Rushdie zu töten. Die Folgen spürt er bis heute. Lesen Sie die Rezension hier.

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7
Das andere Geschlecht
von Simone de Beauvoir

Die andere Hälfte der Menschheit: Die Philosophin Simone de Beauvoir fordert in «Das andere Geschlecht» Autonomie für alle. Ihr Buch, das nach Erscheinen heftig debattiert und vom Vatikan auf den Index gesetzt wurde, sollte zum wichtigsten Buch des Feminismus werden. Lesen Sie die Rezension hier.

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8
Frauen im Laufgitter
von Iris von Roten

Auch eine Schweizerin meldet sich in der Frauenfrage zu Wort – im Ton noch weitaus bissiger als Simone de Beauvoir. Die Juristin Iris von Roten unternimmt 1958 mit «Frauen im Laufgitter» eine umfassende sozioökonomische Analyse der Stellung der Frau. Lesen Sie die Rezension hier.

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9
Die Rechte der Frau
von Olympe de Gouges

Die Französin Olympe de Gouges verkündete 1791 «Die Rechte der Frau». Damit lancierte sie ein Projekt, das die Welt noch lange beschäftigen dürfte: Die erste universale Menschenrechtserklärung. Lesen Sie die Rezension hier.

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10
Also sprach Zarathustra
von Friedrich Nietzsche

In seinem Buch «Also sprach Zarathustra» zertrümmert Friedrich Nietzsche einige Dogmen  und liefert Sprengstoff für Gesellschaft und Glaube. Lesen Sie die Rezension hier.

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11
Der Fremde
von Albert Camus

Albert Camus fasst in «Der Fremde» die unbehauste Existenz der Nachkriegszeit in karge Worte. Lesen Sie die Rezension hier.

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12
Superman
von Joe Shuster & Jerry Siegel

Working Class Hero mit Superkräften: Mit «Superman» wurde vor fast 90 Jahren ein Held geboren, der heute allgegenwärtig ist. Lesen Sie die Rezension hier.

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13
Der Heros in tausend Gestalten
von Joseph Campbell

Der Mythenforscher Joseph Campbell entwarf das Schema der Heldenreise, das jede Geschichte erfolgsversprechend macht. Lesen Sie hier die Rezension zu «Der Heros in tausend Gestalten».

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Die Entdeckung der Welt

14
Die Alpen
von Albrecht von Haller

Wenn aus Schwärmerei Tourismus wird: Vor dreihundert Jahren erfand der Berner Universalgelehrte Albrecht von Haller die Schweiz, wie wir sie kennen – mit einer Utopie in 490 Versen. Lesen Sie die Rezension hier.

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15
Lonely Planet
hg. von Tony & Maureen Wheeler

Die Bibel der Backpacker: Der «Lonely Planet» hat Millionen von Rucksacktouristen den Weg in die Welt geöffnet. Lesen Sie die Rezension hier.

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16
Odyssee
von Homer

Nach der Bibel und der Odyssee kamen im Wesentlichen nur mehr Variationen davon zur Literatur hinzu. So könnte man, etwas salopp, einen Gedanken des passionierten Bücherliebhabers Jorge Luis Borges paraphrasieren. Das Epos vom griechischen Seemann, der nach dem Fall von Troja zehn Jahre von göttlichen Mächten im Mittelmeer herumgeschubst wird, bis er endlich Heimat und Familie erreicht, ist der archetypische Markstein abendländischer Kultur. Bis heute wird jede Reise mit einem Minimalanteil an existenzialistischem Gewicht als «Odyssee» bezeichnet. Als 2017 mit Emily Wilson zum ersten Mal eine Frau die Verse ins Englische übertrug, begann eine Debatte über Sexismus in Übersetzungen. Und der meisterwartete Kinofilm dieses Jahr ist «The Odyssey» des Meisterregisseurs Christopher Nolan. Odysseus ist alles andere als verschollen. Tobias Sedlmaier

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17
Il Milione
von Marco Polo

Il Milione von Marco Polo

Marco Polos als «Il Milione» bekannter, wohl 1298/1299 in einem Genueser Gefängnis entstandener Bericht über seine Reise in den Fernen Osten zählt zu den wirkungsmächtigsten Büchern seiner Epoche. Entdeckern wie Christoph Kolumbus diente die bis dahin ausführlichste Beschreibung Asiens in der westlichen Welt zur geografischen Orientierung, Daheimgebliebenen zur Unterhaltung und Belehrung. Neben Sachinformationen über den Hof des mongolischen Herrschers Kublai Khan und die chinesischen Städte und Menschen, ­Produkte und Gebräuche enthält sie kuriose Schilderungen, Fabeln und Wundergeschichten. Schon vor der Erfindung des Buchdrucks war das Werk in vielen Abschriften und Übersetzungen verbreitet. Seine Anschaulichkeit und Lebhaftigkeit machen es bis heute zu einem Lesevergnügen. Manfred Papst

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18
Der schweizerische Robinson
von Johann David Wyss

Mit der «Der schweizerische Robinson» schrieb ein Pfarrer einen frühen Weltbestseller - und erfand das Baumhaus. Lesen Sie die Rezension hier.

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19
Heidi
von Johanna Spyri

Johanna Spyri schuf die Ikone des Schweizer Naturkindes – die Geschichte von Heidi und dem Heimweh nach der Alp ist ein Welterfolg. Bis heute. Lesen Sie die Rezension hier.

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Wissenschaft und Weltbilder

20
Über die Umlaufbahnen der Himmelssphären
von Nikolaus Kopernikus

Nikolaus Kopernikus zeigte als Erster, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Lesen Sie den Beitrag hier.

21
Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie
von Albert Einstein

Wie ein Unangepasster die Physik revolutionierte: Albert Einstein verfolgte unbeirrt seine Ideen, bis er eine bahnbrechende Theorie fand. Lesen Sie den Beitrag hier.

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22
Systema Naturae
von Carl von Linné

Carl von Linné ordnete die Vielfalt der Natur. Der schwedische Forscher beschrieb ein bis heute gültiges System – inklusive Sexualsystem der Pflanzen. Lesen Sie den Beitrag hier.

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23
Babyjahre
von Remo Largo

Der Kinderarzt Remo Largo wirft einen neuen Blick auf Erziehung. In «Babyjahre» belegt er es wissenschaftlich: Zuwendung ist für Kinder zentral. Lesen Sie die Rezension hier.

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24
Politeia / Der Staat
von Platon

Am Anfang seines philosophischen Dialogs «Politeia» entwirft Platon ein prägnantes Gedankenexperiment: Menschen sitzen gefangen in einer Höhle. An der Wand sehen sie nur Schatten dessen, was draussen in der Welt vorbeizieht: flackernde, unscharfe Abbilder der Dinge. Was aber wäre, wenn ein Gefangener plötzlich aus der Höhle in die helle Sonne käme? Zuerst wäre er ­geblendet und würde gar nichts erkennen. Danach «würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der andern Dinge, und dann erst sie selbst». Im Höhlengleichnis hängt Erkenntnis von ­Perspektive und Licht ab, die Sonne symbolisiert dabei die Idee des Guten und Wahren. Platon zeigte vor fast 2500 Jahren den fundamentalen Unterschied ­zwischen Wirklichkeit und Idee, zwischen dem Ding und seinem Abbild auf. Martina Läubli

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25
Brahmasphutasiddhanta
von Brahmagupta

Rechnen mit ganzen Zahlen lernen wir in der Primarschule, und dass wir dazu eine Null brauchen, scheint selbstverständlich. Wie sonst sollte man das Resultat der Subtraktion zweier gleicher Zahlen sinnvoll darstellen? Als Hieroglyphe taucht die Null bereits in vorchristlichen Flächenberechnungen auf, als man bei Formeln für Vierecke eine Seite als Null setzte. Die erste systematische Beschreibung aus dem 6. Jahrhundert verdanken wir dem indischen Mathematiker Brahmagupta, der aber noch die Division durch Null zuliess. Leonardo von Pisa führte die indisch-arabischen Zahlen dann Anfang des 12. Jahrhunderts in Europa ein. Als gleichberechtigte Zahl wurde die Null am Ende des Mittelalters anerkannt. André Behr

Ein Buch zur Geschichte der 0 ist erhältlich bei ExLibris.

26
Über die Entstehung der Arten
von Charles Darwin

Charles Darwin präsentierte 1859 seine Evolutionstheorie in einem geschickt formulierten Werk. «On the Origin of Species» bleibt ein Lehrstück meisterlicher Wissenschaftskommunikation. Lesen Sie den Beitrag hier.

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27
Der Koran

Heilige Bücher wie der Koran gelten als Offenbarung Gottes. Doch es macht einen Unterschied, ob man sie als Monolog Gottes versteht oder als Kommunikationsangebot. Lesen Sie den Beitrag hier.

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28
Die Bibel

Heilige Bücher wie die Bibel gelten als Offenbarung Gottes. Doch es macht einen Unterschied, ob man sie als Monolog Gottes versteht oder als Kommunikationsangebot. Lesen Sie den Beitrag hier.

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29
Die jüdische Bibel

Heilige Bücher wie die hebräische Bibel gelten als Offenbarung Gottes. Doch es macht einen Unterschied, ob man sie als Monolog Gottes versteht oder als Kommunikationsangebot. Lesen Sie den Beitrag hier.

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30
Enzyklopädie
von Denis Diderot & Jean-Baptiste le Rond d'Alembert

Ein Wörterbuch verbindet Wissen und Witz: Die «Enzyklopädie» von Diderot und d’Alembert hat den Grundstein für kluge Nachschlagewerke gelegt. Lesen Sie den Beitrag hier.

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31
Tausendundeine Nacht

Wie die kluge Schahrasad den Cliffhanger erfand und so ihr Leben rettete: Tausendundeine Nacht ist eine genial konstruierte Geschichtenmaschine. Lesen Sie die Rezension hier.

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32
Kinder- und Hausmärchen
von Jacob und Wilhelm Grimm

Was passiert mit dem Rotkäppchen und dem Froschkönig? Deutsche Geschichten für Kinder erobern die ganze Welt. Lesen Sie die Rezension hier.

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Technik und Zukunft

33
Per Anhalter durch die Galaxis
von Douglas Adams

Der britische Satiriker Douglas Adams inspirierte die Tech-Industrie von Musk bis Google. Wie ihm das gelang? Mit einer komplett abgefahrenen Geschichte aus dem Weltall. Lesen Sie die Rezension hier.

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34
Von der Erde zum Mond
von Jules Verne

Illustration to From the Earth to the Moon by Jules Verne, 1877. Private Collection. (Photo by Fine Art Images/Heritage Images/Getty Images)

Heritage Images / Hulton Archive

Von der Erde zum Mond: In Jules Vernes Science-Fiction-Roman fliegt eine Rakete mit Düsenantrieb ins Weltall – 100 Jahre vor der tatsächlichen Mondlandung. Lesen Sie die Rezension hier.

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35
Tiptopf

Womöglich gibt es kein Buch, das in so vielen Schweizer Haushalten vertreten ist wie der «Tiptopf». Auf jeden Fall ist er das meistverkaufte Kochbuch im Land. Seit 1986 trifft jedes Schweizer Schulkind auf das Standardwerk – und oft begleitet es dieses durch das ganze Leben. Es hat auf alle Fragen, die in der Küche auftauchen, eine Antwort. Wie ist das Verhältnis von Milch, Mehl und Butter in der Béchamelsauce? Nehme ich für die Rösti gekochte oder rohe Kartoffeln? Nichts am «Tiptopf» war je fancy, aber er hat Generationen von Schweizern und Schweizerinnen ein Küchengrundwissen vermittelt. Der «Tiptopf» steht für die Schweiz: Er ist solid, man kann sich auf ihn verlassen, er bleibt auf dem Boden. Daran ändert auch nichts, dass er neben dem klassischen Riz Casimir heute ebenso einen Casimir-Tofu anpreist. Christine Steffen

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36
Harry Potter und der Gefangene von Askaban
von Joanne K. Rowling

Angesichts merkwürdiger gesellschaftspolitischer Äusserungen in den letzten Jahren mag es ein mutiges Urteil sein, aber: Joanne K. Rowling hat mit «Harry Potter» ein bedeutendes Plädoyer für Toleranz geschrieben. Ein Beispiel: Im stärksten Band der Reihe, «Harry Potter und der Gefangene von Askaban», tut sie bis zum Schluss alles, um die Lesenden im Glauben zu lassen, die Figur Sirius Black sei ein Massenmörder – besessen davon, Harry zu töten. Am Ende stellt sich heraus: Er ist sein Patenonkel, der den als unmöglich geltenden Ausbruch aus dem Zauberergefängnis Askaban wagt, um ihn zu schützen. Rowling wirbt in ihren Büchern für einen zweiten Blick, ein eigenes Urteil, dafür, für andere einzustehen. Eine Botschaft, die fast dreissig Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes aktueller wirkt denn je. Tobias Lentzler

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37
1984
von George Orwell
Orwell

Wie wir manipuliert werden: «1984». George Orwells epochales Buch über die Mechanismen von Überwachung ist erschreckend aktuell. Lesen Sie die Rezension hier.

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38
Frankenstein
von Mary Shelley

9783328107996

Wir haben das Monster selbst geschaffen: Eine Zwanzigjährige veröffentlichte 1818 einen der ersten grossen Science-Fiction-Romane mit einem prophetischen Plot: Nicht mehr vor übernatürlichen Geistern sollen wir Angst haben, sondern vor einer Wissenschaft ohne Grenzen. Lesen Sie die Rezension hier.

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39
Dialektik der Aufklärung
von Max Horkheimer & Theodor W. Adorno

Während des Zweiten Weltkriegs schrieben Max Horkheimer und Theodor W. Adorno über die dunklen Seiten abendländischen Denkens und inspirierten damit die 1968er. Lesen Sie die Rezension hier.

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40
Der Herr der Ringe
von J. R. R. Tolkien

Irgendwoher mussten sie gekommen sein. All die Drachenreiter, die verfeindeten Königreiche, die Zwerge und Elfen, die uns Leserinnen und Leser unter dem Namen «Fantasy» in abenteuerliche Welten entführten und uns bald meterweise unsere Bücherregale füllen liessen. Ihren Ursprung verdankten sie wohl alle dem Auenland, jenem lieblichen, grünen Tal, wo J. R. R. Tolkiens Hobbits wohnen und wo einst nicht nur die Trilogie «Der Herr der Ringe» 1954 ihren Anfang nahm, sondern mit ihr auch eines der erfolgreichsten literarischen Genres der Welt. Denn Tolkiens Saga um einen Ring, der seinem Besitzer uneingeschränkte Macht verleiht, ist zwar literarisch so geradlinig erzählt, als würden die Wörter Autobahn fahren. Aber er löste in den 1960er Jahren einen Fantasy-Boom aus, mit dem selbst Tolkien nicht gerechnet hätte. Anna Kardos

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41
Ich, der Roboter
von Isaac Asimov
Diewunderwaffe

Wenn Roboter real werden, wie sollen Menschen mit ihnen zusammenleben? Auf diese Frage antwortete der russisch-amerikanische Autor Isaac Asimov 1942 mit seinen Robotergesetzen. Im Roman «Ich, der Roboter» spielt er in neun zusammenhängenden und etwas didaktischen Erzählungen durch, was es bedeutet, wenn Roboter immer intelligenter werden und ein Bewusstsein entwickeln, aber laut Gesetz trotzdem den Menschen gehorchen müssen, weder diesen noch sich selbst schaden dürfen, wobei Menschenleben vorgehen. Es mag Science-Fiction sein, wovon Dr. Susan Calvin 2057 dem Erzähler berichtet, aber die ethischen Fragen werden gerade sehr real: Anthropic, das IT-Unternehmen hinter der KI Claude, hat jüngst in der Claude’s Constitution Werte und Verhaltensregeln für seine KI definiert. Denise Bucher

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42
Lieder
von Sappho

Sapphos Lieder: Die Dichterin der Antike beschrieb als Erste die Macht des Begehrens und die Liebe zwischen Frauen. Lesen Sie die Rezension hier.

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Die Erfindung der Gefühle

43
Romeo und Julia
von William Shakespeare

Das berühmteste Liebespaar aller Zeiten: Shakespeare hat seinem Drama viele Ebenen eingezogen. Doch die Welt wollte nur Romeo und Julia. Lesen Sie die Rezension hier.

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44
Das Ich und das Es
von Sigmund Freud

Der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud erkannte und beschrieb als erster den unbewussten Bereich der menschlichen Psyche. Lesen Sie die Rezension hier.

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45
Die Leiden des jungen Werther
von Johann Wolfgang Goethe
Goethe

Es gab wohl nie einen gefühlvolleren Text. Werthers Herz «braust», seine Leidenschaft wächst, es fliessen die Tränen. «Ja, ich fühle!» Der junge Romanheld schwärmt, liebt und leidet, seine Briefe sind gespickt mit Ausrufezeichen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert überwältigte eine neue Empfindsamkeit ganz Europa. Was Rousseau mit seinem Gespür für das sentiment bereits vorbereitet hatte, fasste Goethe 1774 mit 25 Jahren in die passende Sprache. Sein Briefroman wurde europaweit zum Erfolg. Es gab Werther-Porzellantassen und Werther-Fächer zu kaufen. Schwerer wog das «Werther-Fieber» bei jenen Menschen, die wie der Romanheld den Freitod wählten. Bei Jena ertränkte sich eine junge Frau im Fluss, sie trug den «Werther»-Roman in der Rocktasche. Noch heute fürchtet man, Berichte über Suizid könnten zu Nachahmung anregen. Martina Läubli

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46
Die Verwandlung
von Franz Kafka

Ein Buch, das bis heute Rätsel aufgibt: Wie kann es sein, dass man wie Gregor Samsa von einem auf den anderen Tag als Ungeziefer erwacht und sodann von der eigenen Familie aufgegeben, ja regelrecht hingerichtet wird? Im Erscheinungsjahr 1915 kaum beachtet, traf Franz Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» in den nachfolgenden Generationen auf breites Echo, etwa in der Tschechoslowakei vor dem Prager Frühling. Igor Plischkes Verfilmung deckte in Gregor Samsas Schicksal die tödliche Macht eines ausbeuterischen Kapitalismus auf, und in der Forschung zur Bedeutung von Tieren in Kafkas Werk steht die Transformation zu einem käferähnlichen Wesen für den Verlust der Menschenwürde – sowohl in ihrer Monstrosität als auch in ihrer Absurdität lebt diese Geschichte fort. Auch weil sie von der Entfremdung als überzeitliche Konstante unseres Daseins berichtet. Björn Hayer

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47
Der weisse Hai
von Peter Benchley

Steven Spielberg machte aus dem Thriller den ersten Blockbuster. Die Buchvorlage «Der weisse Hai»: ist noch besser. Lesen Sie die Rezension hier.

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48
Über den Umgang mit Menschen
von Adolph Freiherr von Knigge

Unbekannt

Regg Media

Der «Knigge» ist alles andere als ein Benimmbuch. Nämlich ein hellsichtiges sozialpsychologisches Werk. Lesen Sie die Rezension hier.

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Was Kinder und Jugendliche prägt

49
Das kleine Blau und das kleine Gelb
von Leo Lionni

Blaue Punkte für Mutter, Vater und das Kind und gelbe Punkte für die andere Familie. Zwar entwickelte die Zürcherin Warja Lavater ebenfalls 1962 narrative Piktogramme für jedes Alter. Aber der Italio-Amerikaner Leo Lionni zeigt in «Das kleine Blau und das kleine Gelb» so alltägliche Szenen, dass die Abstraktion lesbar ist; unterstützt von eingängigen Reimen. Und wenn die Freundschaft von Blau und Gelb ein strahlendes Grün ergibt, spricht Lionnis Minimal Art endgültig für sich und zu uns. Neben der 38. Auflage mit Papierseiten gibt es neu und ohne Qualitätseinbusse eine Pappbuchausgabe. Hans ten Doornkaat

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50
Pippi Langstrumpf
von Astrid Lindgren

Die Liedzeile «Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt» aus der Pippi-Langstrumpf-Filmserie weckt bei der momentanen Weltlage zwiespältige Gefühle, und der ­kolonialistische Anstrich der Bücher sorgt heutzutage für Kritik. In den vierziger Jahren aber führte Astrid Lindgrens Kinderroman zu kontroversen Debatten, weil eine solche Mädchenfigur revolutionär war. Die lebhafte, eigenständige Neunjährige widersetzt sich gesellschaftlichen Regeln und entspricht so gar nicht dem Ideal eines angepassten Mädchens. Noch heute ist Pippi Langstrumpf ein Sinnbild der Frauenbewegung. Und obwohl sie tut, was ihr gefällt: Sie nutzt ihre Kraft auch gegen Ungerechtigkeit, Mobber und Tierquäler. Andrea Lüthi

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51
Momo
von Michael Ende

Schon «Jim Knopf» war ein ganz grosser Wurf! Und «Die unendliche Geschichte» ist ein Höhepunkt der phantastischen Literatur. Aber wie Momo zuhörend auf Menschen zuging, während sich Kinderliteratur nach 1968 als vorwiegend aufklärerisch definierte, das war ein Geniestreich. Michael Ende gab dem romantischen Denken seine Bedeutung zurück: Der Kampf gegen Zeitdiebe und Momos Plädoyer für Empathie nehmen vorweg, was heute der Soziologe Hartmut Rosa mit seiner Beschleunigungskritik und mit seinem Ruf nach Resonanz einfordert. Und noch etwas zeichnet Momo aus: Ihre Offenheit für einfache Leute und ihre sanfte Art sind eine starke Antithese zum Heldenkult der meisten Fantasy-Schmöker. Hans ten Doornkaat

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52
Die rote Zora
von Kurt Held

Ihr Aarauer Verleger war liberal genug, die zwei deutschen, linken Immigranten vor den Behörden zu schützen: Dafür schrieben Lisa Tetzner und Kurt Held Schweizer Jugendklassiker wie wenige. Die packende Bandengeschichte um die rote Zora als gelebte Solidarität unter Jugendlichen war dem Autor politisches Programm, der Öffentlichkeit kein rotes Tuch, und in den Schulen wurde der Wälzer zum Vorleseklassiker. Später, im emanzipatorischen Kontext, wurde das Waisenmädchen mit den roten Haaren – schon das ein Signum unangepasster Frauen – zur Ikone: Läden und Literaturpreise, Kneipen und Festivals hiessen nun Rote Zora. Zwar bedrängen heute zaubernde Boys ihre Popularität, aber aufmüpfige Zugewandtheit bleibt wichtig. Hans ten Doornkaat

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53
Wo die wilden Kerle wohnen
von Maurice Sendak

Ein Kind, das wild ist und im Traum seine Alltagsnöte kompensiert – das schockierte 1967. So brauchte es einige Jahre, bis mehr und mehr Erwachsene Max’ Traumfahrt zu den wilden Kerlen als ver­söhnliche Phantasie lasen, entlastend für Kind und Eltern. Damit war auch der Blick frei für die grossartigen Illustrationen. Heute gilt Maurice Sendak als so wichtig für das Bilderbuch wie Shakespeare für die Bühnen. Nach einem Spielfilm und einem Roman zum Drehbuch ist etwas Ruhe eingekehrt . . . und damit bietet sich die Gelegenheit, im Vergleich mit moderneren Text-Bild-Kom­binationen zu erkennen, wie einmalig raffiniert Sendak mit Motiven und Satz­flächen spielte. Ein Leitstern bis heute! Hans ten Doornkaat

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54
Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder oder: Die Veränderung der Landschaft
von Jörg Müller

Erst will Jörg Müller zusammen mit seinem Malerkollegen Bendicht Fivian bloss erkunden, was und wo Kinder draussen spielen. So beginnen die beiden, veränderte Lebensräume zu erfassen. Als der junge Verleger H. C. Sauerländer die Serie entdeckt, wird daraus eine grosse Bildermappe und dann eine internationale Sensation. Gut eine Generation nach «Schellen-Ursli» überraschen Schweizer Illustrationen 1973 mit einer radikal aktuellen Perspektive. Die sieben querformatigen Tafeln hängen in Kinderzimmern und Schulen, und bald realisieren Architekten und Raumplaner, dass dieses Werk die Wahrnehmung der Landschaft stärker prägt als die zugebaute Wirklichkeit. Ein enormer Impuls für die Umweltbewegung und ein Triumph des künstlerisch verdichteten Vergleichs. Hans ten Doornkaat

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55
Die Mumins
von Tove Jansson

Die ersten Mumin-Geschichten er­schienen 1945, es folgten Comics in Zeitungen. Heute noch sind die Mumins überall ­präsent: in Serien und Hörspielen, auf Tassen und Topflappen. In der aktuellen Forschung wiederum wird die Queerness der Mumin-Bücher diskutiert. Trotz Verbot lebte die finnische Karikaturistin und Illustratorin Tove Jansson ihre Bisexualität offen. Ihre für damalige Zeiten unkonventionelle Lebensweise floss in die Bücher ein. Zur Mumin-Familie gehören alle, egal ob Mumin, Hemul oder Schnupferich. Sie ist ein frühes Plädoyer für Diversität, Toleranz und Familien jenseits traditioneller Muster. Zugleich sind die Mumins Vorreiter der All-Age-Literatur, sprechen sie doch Kinder und Erwachsene gleichermassen an. Andrea Lüthi

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56
Der Fänger im Roggen
von J. D. Salinger

Nachdem der 16-jährige Holden Caulfield erneut von einer Schule geflogen ist, zieht er durch New York und sinniert über sein Leben und die angeberische, heuchlerische Gesellschaft. J. D. Salingers «Der Fänger im Roggen» gilt als eines der meistzensurierten Bücher im Nachkriegsamerika. Schulen verboten den 1951 erschienenen Roman, und Eltern waren in Aufruhr wegen des «unmoralischen Buchs» mit an­rüchigen Szenen, gespickt mit Schimpfwörtern und Slang. Gleichzeitig griffen Caulfields Weltschmerz und Existenzkrise das Befinden vieler orientierungsloser Jugendlicher auf, und das bis heute. Salingers Roman prägte die Popkultur und inspirierte Bücher, Filme, Videogames oder Songs von Rockbands wie Guns N’ Roses. Andrea Lüthi

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Von Wohlstand und Armut

57
Das Kapital
von Karl Marx

Die Substanz glüht noch immer: Der Journalist und Ökonom Res Strehle über seine Lektüre von Karl Marx, damals und heute. Lesen Sie die Rezension hier.

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58
Der Wohlstand der Nationen
von Adam Smith

Die «unsichtbare Hand» wirkt – nicht ganz von allein: Adam Smith brachte Ökonomie, Ethik und Politik zusammen und wurde so zum Vordenker der Marktwirtschaft. Lesen Sie die Rezension hier.

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59
Der Weg zur Knechtschaft
von Friedrich August von Hayek
Friedrich A. Von Hayek

Hayek sah den sowjetischen Totalitarismus schon 1944 kommen und schuf das Schlüsselwerk des Wirtschaftsliberalismus. Mit seinem Buch «Der Weg zur Knechtschaft» rüttelte Friedrich August von Hayek die Weltöffentlichkeit auf. Lesen Sie die Rezension hier.

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60
Die Grenzen des Wachstums
von Club of Rome

Unter Umweltschützern hat es Kultstatus, liberale Ökonomen lassen kein gutes Haar daran – die Meinungen gehen über wenige Bücher so weit auseinander wie über «Die Grenzen des Wachstums». Lesen Sie die Rezension hier.

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61
Woyzeck
von Georg Büchner

Wie Armut Menschen deformiert: Georg Büchner brachte die Klassenfrage auf die Theaterbühne – Jahre vor Karl Marx. Lesen Sie die Rezension hier.

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62
Der freie Mensch
von Ayn Rand

Ayn Rand erzählt von erfinderischen Unternehmern und dem Pathos der Freiheit. Ihr Buch wurde zur Bibel der Libertären. Lesen Sie die Rezension hier.

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Politik und Gesellschaft

63
Vom Gesellschaftsvertrag
von Jean-Jacques Rousseau

Der Wille des Volkes, was soll das sein? Jean-Jacques Rousseau entwickelte 1762 die Idee eines von Bürgern begründeten Staats. Sein Buch wurde nach Erscheinen sofort verboten. Lesen Sie die Rezension hier.

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64
Das Ende der Geschichte
von Francis Fukuyama

«Das Ende der Geschichte»: Der Politologe Francis Fukuyama schrieb 1989, der westliche Liberalismus habe triumphiert. Heute ist das nicht mehr so sicher. Lesen Sie die Rezension hier.

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65
Der Fürst
von Niccolò Machiavelli
Machiavelli

Niccolò Machiavellis Klassiker der politischen Philosophie ist eine brillante Analyse der Politik – auch der heutigen. Lesen Sie die Rezension hier.

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66
Gespräche
von Konfuzius

Konfuzius dachte im Einklang mit dem Gemeinwesen. Die Ethik des «Meisters» prägt die Kultur und die Politik Chinas bis heute. Lesen Sie die Rezension hier.

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67
Der Versuch, in der Wahrheit zu leben
von Václav Havel

Václav Havel hatte den Mut, die Wahrheit zu sagen. Der tschechische Dichter und Dissident war eine treibende Kraft der «samtenen Revolution». Lesen Sie die Rezension hier.

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68
Überwachen und Strafen
von Michel Foucault
Foucault

Mit seiner Machtkritik wurde Michel Foucault zum einflussreichsten Denker Frankreichs. Lesen Sie die Rezension von «Überwachen und Strafen» hier.

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Krieg und Frieden

69
Mein Kampf
von Adolf Hitler

Hitlers Propagandaschrift wurde 1933 zum «Buch der Deutschen». Und zum Instrument des Hasses. Besonders schwer wiegt heute das Fehlen einer englischen und einer arabischen Bearbeitung. Lesen Sie die Rezension hier.

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70
Im Westen nichts Neues
von Erich Maria Remarque

«Im Westen nichts Neues» ist ein aufwühlender Antikriegsroman, der die Massen erreichte. Erich Maria Remarques Verarbeitung seiner Erlebnisse an der Westfront wurde ab 1928 ­millionenfach verbreitet. Lesen Sie die Rezension hier.

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71
Die Waffen nieder!
von Bertha von Suttner

Die österreichische Journalistin Bertha von Suttner begründete mit «Die Waffen nieder!» 1889 die europäische Friedensbewegung. Lesen Sie die Rezension hier.

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72
Worte des Vorsitzenden
von Mao Zedong

Die «Worte des Vorsitzenden Mao Zedong» sollten Merksprüche sein für eine Milliarde Menschen. Auch im Westen las man die Zitate des kommunistischen Führers. Lesen Sie die Rezension hier.

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Der Blick auf die Anderen

73
Orientalismus
von Edward A. Said

Der Literaturwissenschafter Edward W. Said kritisierte die Stereotype, die der Westen der Bevölkerung arabischer Länder aufdrückte. Sein Buch begründet das postkoloniale Denken. Lesen Sie die Rezension hier.

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74
Manden-Charta

Der Humanismus ist keine europäische Erfindung. Die erste bekannte Menschenrechtserklärung stammt vielmehr aus Afrika. Im Königreich Mali wurde 1222 eine Rechtsordnung ausgerufen, fast zeitgleich mit der Magna Charta. «Kein Geschöpf ist besser als ein anderes», heisst es darin. Die Gleichheit aller Menschen, gegenseitige Achtung und die Unantastbarkeit des Lebens sind zentrale Prinzipien, ebenso die Abschaffung der Sklaverei: «Die Sklaverei ist nun verboten und geächtet.» Bemerkenswert ist der universale Anspruch: Die sogenannte Manden-Charta richtet sich an die ganze Welt und ist heute immaterielles Weltkulturerbe. Sie wurde allerdings nie als Buch veröffentlicht, sondern wie in Afrika üblich mündlich weitergegeben. Auf ihre Grundsätze musste und muss immer wieder gepocht werden. Martina Läubli

Manden-Charta. Ausgerufen von Sundiata Keita. Königreich Mali im Jahr 1222.

75
Wir müssen über Rassismus sprechen
von Robin DiAngelo

Was ist «Wokeness»? Eine Definition könnte sein: Die Moralisierung echter oder vermeintlicher Diskriminierungen zwecks sozialem Distinktionsgewinn. Wer in den ausgehenden nuller Jahren möglichst rasch und bequem «woke» werden wollte, kaufte das Buch von Robin DiAngelo. «White Fragility» war in den USA ein Bestseller, Konzerne wie Nike, Amazon oder Goldman Sachs baten die Soziologin darum, Vorträge und Workshops abzuhalten. Ihre These lautet, dass Weisse per se rassistisch sind. Dass sie damit auf Widerspruch stiess, bestärkte die Autorin nur in ihrer Ansicht: Das sei eben diese «weisse Zerbrechlichkeit». DiAngelos Buch wurde in seiner Idiosynkrasie zum Dokument einer Epoche, in der guter Wille, Marketing und ängstlicher Opportunismus eine höchst eigentümliche Verbindung eingingen. Linus Schöpfer

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76
20 Säcke Muschelgeld
von Buchi Emecheta

Buchi Emecheta brachte die Lebensrealität afrikanischer Frauen in die Weltliteratur. Lesen Sie die Rezension hier.

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77
Siddharta
von Hermann Hesse
Hesse

Hermann Hesse lieferte das Buch zum Buddhismus-Boom. Doch der – auch in Ostasien beliebte – Roman verweigert einfache Antworten. Lesen Sie die Rezension hier.

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78
Max Havelaar
von Multatuli

Ein früherer Kolonialbeamter prangert 1856 in seinem Roman den niederländischen Kolonialismus an. Und «Max Havelaar» wird vom Romanhelden zum Label für Fairtrade. Lesen Sie die Rezension hier.

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Journalismus, der Veränderung anstiess

79
Der Archipel Gulag
von Alexander Solschenizyn

Alexander Solschenizyns schonungslose Schilderung des sowjetischen Terrors erschütterte 1973 Westeuropa. «Der Archipel Gulag» ist grosse Widerstandsliteratur. Lesen Sie die Rezension hier.

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80
J'accuse
von Émile Zola

Ein offener Brief gegen Machtmissbrauch: Émile Zola deckt in «J’accuse» einen Justizskandal auf und bewirkt die Rehabilitierung von Alfred Dreyfus. Lesen Sie die Rezension hier.

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81
Der stumme Frühling
von Rachel Carson

Rachel Carsons «Der stumme Frühling» führte vor mehr als sechzig Jahren zum Verbot des Insektizids DDT – und begründete die moderne Umweltbewegung. Lesen Sie die Rezension hier.

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82
Zinkjungen
von Swetlana Alexijewitsch

Moskau hatte den Angriff befohlen, doch nach Jahren der Anstrengung waren Tausende Soldaten tot und der Krieg immer noch nicht gewonnen. Das Regime versuchte, die Diskussion zu unterdrücken. Doch das gelang nicht, und der gescheiterte Angriff trug dazu bei, dass das Regime fallen musste. Selbstverständlich ist hier die Rede vom Afghanistankrieg der ­Sowjetunion, dessen Verbrechen nicht zuletzt dank Swetlana Alexijewitsch ans Licht kamen. Ihr Buch «Zinkjungen» – die toten Soldaten wurden in Zinksärgen heimgebracht – sorgte in der UdSSR für einen Skandal, wurde also gelesen. Die spätere Nobelpreisträgerin liess überlebende Soldaten zu Wort kommen, aber auch trauernde Mütter und traumatisierte Pflegerinnen. Selten passte der Ausdruck «Opfern eine Stimme geben» besser als hier. Linus Schöpfer

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83
Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.
von Niklaus Meienberg

Er sei kein Nazi gewesen, sagten seine Kameraden in der Schweizer Armee. Spioniert habe Ernst S. nur des Geldes wegen. Er stahl vier Granaten und erstellte rudimentäre Skizzen von Bunkeranlagen. Er gab sogar damit an, den Deutschen «einen Seich» geliefert zu haben. Trotzdem erhielt Ernst S. die Todesstrafe. Als «Landesverräter» wurde der St. Galler erschossen. In seiner meisterhaften Reportage zeichnet Niklaus Meienberg den Fall nach. Berichte von Zeitzeugen und Dokumente verbindet er zu explosiver Sozial- und Politikgeschichte, durchsetzt mit bissiger Ironie. Meienberg belegt: Die Militärjustiz statuierte an sozial Tiefgestellten ein Exempel, doch einflussreiche Hitler-Freunde wie General Wille oder Arnold Mettler-Specker liess man ungeschoren. Die Reportage läutete 1975 die historische Aufarbeitung der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg ein. Martina Läubli

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84
She Said
von Jodi Kantor &Megan Twohey

In diesem Fall führte nicht das Buch zu einer Zäsur, sondern es berichtet davon, wie es dazu kam. Jodi Kantor und Megan Twohey erzählen in «She Said» von ihrer monatelangen Recherche für einen Artikel in der «New York Times» über das missbräuchliche Verhalten von Harvey Weinstein. Ihre Arbeit löste 2017 die MeToo-Bewegung aus. Dass Weinstein die Reporterinnen mit Drohungen zu bremsen versuchte, war das kleinere Problem. Viel schwieriger war es, das Vertrauen seiner Opfer zu gewinnen. Das Zögern der Frauen illustriert, wie Machtmissbrauch funktioniert: Scham und die Angst davor, dass niemand sie ernst nehmen würde, liessen sie schweigen. Dass sie den Mut doch aufbrachten, führte zu einem fundamentalen Wandel. Seit MeToo können Opfer von sexualisierter Gewalt viel eher davon ausgehen, dass man ihnen glaubt. Denise Bucher

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85
The Kentucky Derby Is Decadent and Depraved
von Hunter S. Thompson

Hunter S. Thompson war ein unmöglicher Journalist. Das zeigte sich bereits in seiner frühen Reportage «The Ken­tucky Derby Is Decadent and Depraved». Ein grosser Teil dieses Textes besteht in der Beschreibung, wie Thompson eine Akkreditierung zum berühmten Pferderennen zu erhalten versucht, deren Anmeldefrist er verpasst hat. Nachdem das endlich geklappt hat, beginnt Thompson sich zu betrinken. Mit einem eigens aus England eingeflogenen Karikaturisten stolpert er durch die Ränge und zettelt Streit mit einheimischen Rednecks an. Die Karikaturen machen alles noch schlimmer: Der Engländer zeigt sie den Porträtierten, was diese, die ebenfalls betrunken sind, in rasende Wut versetzt. So beginnt die Ära einer selber ziemlich dekadenten, aber eben auch überaus unterhaltsamen Form der Publizistik: des sogenannten Gonzo-Journalismus. Linus Schöpfer

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86
Hiroshima
von John Hersey

Ein Jahr nach dem Abwurf der Atombombe reist der Pulitzer-Preisträger John Hersey nach Japan. Seine Reportage über das menschliche Leid in der zerstörten Stadt prägt bis heute den Diskurs über die Gefahren von Kernwaffen. Und ist wieder einmal brandaktuell. Lesen Sie die Rezension hier.

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Letzte Tabus

87
die 120 Tage von Sodom
von Marquis de Sade

Die 120 Tage von SodomDie Philosophie im Boudoir oder Die lasterhaften Lehrmeister von Marquis de Sade

Marquis de Sade entwirft in «Die 120 Tage von Sodom» ein Panoptikum menschlicher Abgründe. Lesen Sie die Rezension hier.

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88
Fifty Shades of Grey
von E. L. James

Wie die «Fifty Shades of Grey»-Trilogie BDSM enttabuisierte. Oder wenn schlechte Literatur eine sexuelle Revolution auslöst. Lesen Sie die Rezension hier.

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89
Interviews mit Sterbenden
von Elisabeth Kübler-Ross

Die Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross brach ein Tabu – indem sie mit sterbenden Patientinnen und Patienten sprach. Lesen Sie die Rezension hier.

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90
Angst vorm Fliegen
von Erica Jong

Auf der Suche nach Freiheit und unverbindlichem Sex verstrickt sich die Dichterin Isadora Wing in eine zerstörerische Dreiecksbeziehung. Als selbsternannte «Feministin und Möchtegern-befreite-Frau» erlebt sie zusammen mit ihren Neurosen Abenteuer zwischen den USA, Europa und Nahost und lässt sich dabei ganz von ihrer weiblichen Lust leiten. Getrübt wird das Leseerlebnis stellenweise durch rassistische Bemerkungen und Fäkalhumor. Die erotischen Passagen wirken aus heutiger Sicht harmlos, doch bei seinem Erscheinen 1973 wurde «Angst vorm Fliegen» zum Bestseller und wegen seiner Explizitheit zum Skandal. Erstaunlich gegenwärtig jedoch ist Jongs entlarvender und ironischer Blick auf Beziehungen mit egomanischen Männern. Wer die enthemmten Monologe in der Serie «Fleabag» mochte, wird diesen modernen Klassiker lieben. Julia Kohli

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91
Bekenntnisse einer Maske
von Yukio Mishima

Wie der Protagonist in «Bekenntnisse einer Maske» war auch sein mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagener Autor Yukio Mishima eine Figur der Extreme. Lesen Sie die Rezension hier.

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Recht und Unrecht

92
Roman eines Schicksallosen
von Imre Kertész

Hier wird jedes Pathos verweigert: Imre Kertész erzählt im «Roman eines Schicksallosen» nicht vom Horror, sondern von der Alltäglichkeit des Konzentrationslagers. Lesen Sie die Rezension hier.

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93
Das Tagebuch von Anne Frank
von Anne Frank

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank, erstmals veröffentlicht 1947, offenbarte, dass die Opfer der Nationalsozialisten keine gesichts- und wesenlose Andere sind. Lesen Sie die Rezension hier.

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94
Eichmann in Jerusalem
von Hannah Arendt

Hannah Arendts Erbe fordert uns dazu auf, totalitäre Muster zu erkennen – und diese zu durchbrechen. Die politische Theoretikerin verfolgte den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Jerusalem. Und sezierte die geistige Haltung, die einen Genozid ermöglichte. Lesen Sie die Rezension hier.

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95
Onkel Toms Hütte
von Harriet Beecher Stowe
Beecher-Stowe

Harriet Beecher Stowes klagt die Sklaverei als «grausames und ungerechtes System» an. «Onkel Toms Hütte» beschleunigte die Abschaffung der Sklaverei. Lesen Sie die Rezension hier.

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96
Der Bauernspiegel
von Jeremias Gotthelf

Ist die Schweiz ein faires Land? Bis vor wenigen Jahrzehnten war sie das garantiert nicht. Hiesige Bauern liessen sogenannte Verdingkinder für sich krampfen. Melken, Heuen, Misten, von früh bis spät. Jeremias Gotthelf machte bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts als einer der Ersten darauf aufmerksam. In «Der Bauernspiegel» erzählt er von einem Verdingkind, das wie der Autor Jeremias heisst und in eine neue Familie kommt, dort aber ständig auf seine Herkunft zurückgestossen wird. Die Szene, als Jeremias dem Bauern auf den Schoss kraxelt und ihn fragt «Ätti! Hesch mi o lieb?» und daraufhin grausam blossgestellt wird, gehört zu den bewegendsten der Schweizer Literaturgeschichte. Auch nach diesem Roman gab es noch über ein Jahrhundert lang Verdingkinder. Aber die Opposition dagegen sollte nicht mehr verschwinden. Linus Schöpfer

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97
Kleine Dinge wie diese
von Claire Keegan

Zwischen 1922 und 1996 lebten mehr als 10000 Frauen in den Magdalenenwäschereien, die als Heime für «gefallene Mädchen» von vier irischen Frauenorden betrieben wurden. Sie wurden dort ausgebeutet, missbraucht, ihre Kinder verkauft. Claire Keegan hat einen der grössten Skandale Irlands in einen schmalen Roman gegossen, der seinesgleichen sucht. In einer zauberhaft lakonischen Sprache lässt sie den Kohlenhändler Bill Furlong, Vater von fünf Töchtern, 1985 in einem Kloster eine fürchterliche Entdeckung machen, die ihn zu einer Tat zwingt. Keegan gelingt es geradezu traumwandlerisch, Verdrängung, Komplizenschaft und Gewissensnot so eindringlich und doch ohne moralischen Furor zu thematisieren, dass man die Lektüre geradezu körperlich erfährt. Ein Buch, das man nie mehr vergessen kann. Peer Teuwsen

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98
Ist das ein Mensch?
von Primo Levi

Es ist eine Kernfrage des 20. Jahrhunderts, wie über den Holocaust gesprochen, geschrieben und gedichtet werden kann. Der italienische Chemiker Primo Levi hat darauf eine eigenständige und eindringliche Antwort gegeben. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert, wo er als «wirtschaftlich verwertbarer Jude» Zwangsarbeit leisten musste. Später verfasste er einen Bericht über die Entmenschlichungsmechanik des Lagers. Darüber, dass die Gefangenen nachts schmatzten, weil sie vom Essen träumten, dass die Füsse immer bluteten und Offiziere mit Reitpeitsche durch die Baracken patrouillierten. Levi schreibt mit der Nüchternheit eines Naturwissenschafters, der an die Sagbarkeit der Dinge glaubt. Er hat der Nachwelt damit ein einzigartiges Zeugnis hinterlassen: einen Tatsachenbericht über den Abgrund der Menschheit. Gina Bachmann

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99
Corpus Iuris Civilis

Wer heute sein geklautes Velo auf Ricardo entdeckt, könnte mit diesen dicken Büchern nicht nur den Dieb erschlagen, sondern – viel besser – das Velo wieder juristisch zurückfordern. Das Corpus Iuris Civilis sammelt das römische Zivilrecht, zusammengestellt bis 534 nach Christus von Juristen des oströmischen Kaisers Justinian I. Es ist ein monumentales Werk. Seit 1500 Jahren bildet es die Grundlage für das europäische Privatrecht. Und in allem, was Besitz und Eigentum an Sachen betrifft, hat sich dieses Recht bis heute nur wenig verändert. Deshalb greift sogar im Jahr 2026 der, der vom Ricardo-Verkäufer sein Velo zurückwill, zur «rei vindicatio»: der Eigentumsklage, die es vom Corpus Iuris Civilis ins Schweizer Zivilgesetzbuch geschafft hat. Wer verstehen will, woher unser Recht kommt, kommt also nicht darum herum, in den Tausenden Seiten des Corpus zu blättern. Leo Eiholzer

Corpus Iuris Civilis. Hg. v. Okko Behrends u. a. C. F. Müller Juristischer Verlag 1990, antiquarisch.

100
Wüstenblume
von Waris Dirie

Die Somalierin Waris Dirie erlebte einen märchenhaften Aufstieg von der Nomadin zum gefeierten Model. Mit ihrer Autobiografie zerrte sie ein Menschenrechtsproblem ins Licht, das bis dahin im Westen unbekannt war: die Verstümmelung weiblicher Genitalien. Lesen Sie die Rezension hier.

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Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag».
In Partnerschaft mit Ex Libris.

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