
© REUTERS/Vincent Carchietta
Der Argentinier verlässt die große Bühne: Auch ohne Happy End ist Lionel Messi der größte Fußballer seiner Zeit
Als Jugendlicher wäre Lionel Messi fast in der spanischen Nationalmannschaft gelandet. Nun tritt er nach der Niederlage im WM-Finale vermutlich ab – als Legende.
Stand:
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.
Über die Karriere von Lionel Andrés Messi Cuccitini ist so gut wie alles bekannt. Eine Episode aus seiner Jugend hätte den Lauf der Fußballgeschichte allerdings massiv verändern können. Womöglich hätte der 39-Jährige am Sonntagabend nicht unter Tränen den Abschied von der großen Bühne begangen, sondern diesen mit seinem dritten oder vierten Weltmeistertitel gefeiert – im Trikot der spanischen Nationalmannschaft.
Im Jahr 2000 zog der schmächtige Junge mit seinem Vater aus seiner Heimatstadt Rosario nach Katalonien. Der FC Barcelona bezahlte für seine Therapie mit Wachstumshormonen und nahm ihn in seine berühmte Jugendakademie auf.
Messi zauberte, flog im Slalom durch die gegnerischen Abwehrreihen und dominierte an der Seite der späteren spanischen Weltmeister Cesc Fàbregas und Gerard Piqué in seiner Altersklasse. Nur in Argentinien bekam davon niemand etwas mit. Die Zeiten des flächendeckenden digitalen Scoutings waren noch weit entfernt, und so war es eine VHS-Kassette mit Spielszenen des Teenagers, die das Schicksal der argentinischen Nationalmannschaft veränderte. Zu sehen ist die Geschichte in der Dokumentation „Messi: the forgetten tape“.
Aus „Leonel Mecci“ wird ein Superstar
Seine spanischen Mitspieler versuchten, Messi davon zu überzeugen, für seine neue sportliche Heimat aufzulaufen. Doch gerade noch rechtzeitig wachte der argentinische Verband auf. Für den 29. Juni 2004 organisierte er eilig ein Freundschaftsspiel der U 20 gegen Paraguay, das Einladungsfax war adressiert an „Leonel Mecci“. Messi störte es nicht. Er wurde eingewechselt, erzielte nach einem Sololauf sein erstes Tor – der Rest ist Geschichte.

© IMAGO/Fotobaires
Dass seine Karriere auf der großen Bühne am Sonntag im WM-Finale gegen Spanien ihr Ende fand, war fast schon zu kitschig. Messi gegen seine langjährige sportliche Heimat. Messi gegen seinen Nachfolger in Barcelona, Lamine Yamal, den er 19 Jahre zuvor für ein Werbefotoshooting als Baby gebadet hatte. Messi zum dritten Mal im WM-Finale, an dem Ort, an dem er 2016 nach einer Niederlage im Finale der Copa América frustriert seine Nationalmannschaftskarriere beendet hatte.
Damals kam er schnell zurück, gewann unter Nationaltrainer Lionel Scaloni endlich zwei kontinentale Titel und 2022 die Weltmeisterschaft. Am Sonntag sprach er nicht über seine Zukunft, doch alles deutet auf sein Karriereende hin, zumindest in der Nationalmannschaft. „Das Beste an all diesen Jahren waren nicht nur die Titel, sondern die gesamte Reise“, hatte Messi in den Sozialen Medien schon vor dem Finale geschrieben. Es klang nach Abschiedsworten.
Im Finale konnte der Ausnahmefußballer nicht an seine beeindruckenden Leistungen dieser WM anknüpfen. Spanien dominierte, Argentinien schoss erst in der Verlängerung erstmals aufs Tor. Messi spazierte wie üblich, konnte das Spiel aber nicht mit seinen Geistesblitzen prägen. Wie hilflos selbst der Superstar war, zeigte sich, als er beim Schiedsrichter reklamierte, dass Marc Cucurella sich die Hand vor den Mund gehalten habe.
Es passte ins Bild einer argentinischen Mannschaft, die nie im Spiel ankam und sich mit grenzwertiger Härte ins Elfmeterschießen retten wollte. Es war nicht das Happy End, das die Karriere von Lionel Messi verdient gehabt hätte. Doch der 39-Jährige musste schon vor der WM niemandem mehr etwas beweisen. Hat er trotzdem. Daran, dass er der größte Fußballer seiner Generation war, besteht kein Zweifel.
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false