close
zum Hauptinhalt
Image
Neue Pläne vereinen Wohnungen und ein weiterhin großes Feld.

© PR/Zuhause am Tempelhofer Feld

Pläne für das Tempelhofer Feld: Neue Wohnungen sichern den sozialen Frieden

Auch mit einer Randbebauung bliebe das Freizeitareal riesig. Gegner jeglicher Entwicklung sollten sich ehrlich machen. Es ist höchste Zeit, neu über die Zukunft des Geländes zu entscheiden.

Robert Ide
Ein Kommentar von Robert Ide

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

Joggende, Skater und Radlerinnen im Sonnenschein; Menschen, die spielen und picknicken; im Gemeinschaftsgarten ackern oder einfach durchatmen; eine sozial durchmischte und mal entspannte Stadt auf 300 Hektar Fläche – all das bietet das Tempelhofer Feld gerade in diesen Tagen. All das würde nicht verloren gehen, wenn am Rande des riesigen Areals neue Wohnungen entstünden. Es ist höchste Zeit, dass Berlin neu darüber diskutiert und entscheidet.

Es geht keineswegs um die Zerstörung eines einzigartigen Feldes, sondern um eine teilweise Bebauung an den sowieso teils ausfransenden Randbereichen.

Tagesspiegel-Autor Robert Ide

Auch mit einer Randbebauung bliebe das Tempelhofer Feld weiterhin ein weites. Mindestens zwei Drittel der Fläche blieben nach den neuen Plänen des renommierten Architekten Hans Kollhoff frei zugänglich für Sport, Erholung und Freizeit. Gut 200 Hektar Freiraum mitten in Berlin wären immer noch so groß wie der gesamte Tiergarten.

___
Der Kommentar zum Nachhören:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Es geht also keineswegs um die Zerstörung eines einzigartigen Feldes, sondern nur um eine teilweise Bebauung an den sowieso teils ausfransenden Randbereichen. Gleichzeitig könnten zehntausende neue Wohnungen entstehen, möglichst bezahlbar und bestenfalls seriell gebaut. Das wäre ein Beitrag für den sozialen Frieden in ganz Berlin.

ARCHIV - 20.05.2024, Berlin: Zwei Inline-Skater fahren vor der Kulisse des Berliner Fernsehturms über das Tempelhofer Feld. (zu dpa: «CDU will Tempelhofer Feld «auf jeden Fall» bebauen») Foto: Monika Skolimowska/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Freizeitfläche könnte abgesehen vom Vogelschutz ökologisch noch viel vielfältiger werden.

© dpa/Monika Skolimowska

Die Gegner jeglicher Bebauung sollten sich auch in anderer Hinsicht ehrlich machen: Die Volksabstimmung vor zwölf Jahren war vor allem ein Votum gegen die damaligen Pläne und die schlechte Kommunikation des Senats von Klaus Wowereit (SPD). Viele Menschen befürchteten eine Hauruck-Aktion zugunsten von Luxuswohnungen und Prestigeprojekten wie der geplanten Zentralbibliothek, die viele damals für Größenwahn hielten. Darum geht es heute gar nicht mehr.

Seit dem Votum schützt das Tempelhof-Gesetz die einstige Flughafen- und Rasenfläche extrem streng, etwa wenn es heißt: „Die besondere Eigenart des Tempelhofer Feldes mit seiner Weite, Offenheit und Naturnähe ist zu bewahren.“ Faktisch führt das allerdings dazu, dass hier nicht einmal schattenspendende Bäume gepflanzt werden. Auch ökologisch könnte die große Fläche abgesehen vom Vogelschutz noch viel vielfältiger werden.

Ein einmal beschlossenes Gesetz kann keine Ewigkeitsgarantie dafür sein, mitten in der Stadt überhaupt nichts mehr verändern zu dürfen. Das wachsende Berlin mit bald vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern muss über die eigene Zukunft nachdenken – auch und gerade am Tempelhofer Feld.

Denn seit 2014 hat sich die Lage massiv verändert. Der Wohnungsmarkt ist tot, das lähmt die ganze Stadt. Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich komplett gedreht. Laut einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer ist mit 59 Prozent inzwischen eine klare Mehrheit für eine maßvolle Randbebauung (übrigens selbst bei den Wählerinnen und Wählern der Grünen); nur noch 25 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Der schwarz-rote Senat hat das Thema zu lange angstvoll zur Seite gelegt. Es gab zwar einen Ideenwettbewerb mit spannenden Vorschlägen für das Feld (auch für seine Weiterentwicklung als Freizeitareal). Diese landeten jedoch erst mal in der Schublade, bevor nun plötzlich Kollhoff mit seinem Plan auf den Plan trat, der beides verbinden will: neue Wohnungen und ein großes Feld in der Mitte. Flache Häuser in einem Ring rund um das Feld sollen demnach 50.000 Menschen in 20.000 neuen Wohnungen beherbergen.

Über alle Ideen sollte Berlin jetzt offen diskutieren und am Ende auch neu abstimmen können. Dafür braucht es Volksbefragungen, die nicht nur gegen etwas gerichtet sind, sondern die auch zur Abstimmung stellen, etwas voranzubringen.

Die CDU zieht das Thema nun im Wahlkampf hoch – auch, weil der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sonst kaum noch eines hat. Die SPD, die sich zu Jahresbeginn in einer Art rot-rot-grünen Kehrtwende für einen Nachdenkstopp am Feldrand entschieden hat, sollte noch einmal ergebnisoffen in sich gehen, wenn sie die Mehrheit der Menschen mitnehmen will.

Die viel zu hohen Mieten beklagen kurz vor der Wahl alle. Aber ohne Wohnungsbau werden sie kaum sinken. Auch nicht rund um das Tempelhofer Feld.


Jeden Donnerstag ab 6 Uhr kommentiert Robert Ide stadtpolitische Themen bei Simone Panteleit und Team im Berliner Rundfunk 91.4. Im Tagesspiegel finden Sie den Kommentar zum Nachlesen und Nachhören.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
false
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })