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The Wayback Machine - https://web.archive.org/web/20080203193055/http://www.learn-line.nrw.de:80/angebote/zeus/thema/rechtegewalt/hans.htm
Als er aus dem KZ Auschwitz wieder nach Hause kam, hat es ihm keiner geglaubt / 770 Tage Grauen / 600 Tage den roten Himmel gesehen
Hans Frankenthal - Ein Jude aus dem sauerländischen Schmallenberg berichtet

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Alle Schüler gehen in die Klasse 10a2
der Katholischen Hauptschule Attendorn..

Attendorn/Bonn. (wp)
Im Rahmen der "Aktionen gegen Rechts" fuhren die Klassen 10 der Katholischen Hauptschule in Attendorn nach Bonn ins Haus der Geschichte. In der Abteilung "Last und Verantwortung der Vergangenheit" stießen wir auf ein Video, auf dem Hans Frankenthal, ein Jude aus Schmallenberg seinen Lebensweg schildert :


Hans Frankenthal wurde 1926 in Schmallenberg (Kreis Meschede) geboren und starb 2001. Er hatte in einer religiösen jüdischen Familie gelebt. Er ging auf die Katholische Volksschule und wuchs auf wie alle anderen Kinder. Dieses änderte sich 1938 nach der Reichskristallnacht. Die SS und SA drangen in die Schule ein. Als es schellte, rannten alle Kinder raus, und die jüdischen Kinder wurden verhaftet. Hans Frankenthal wurde zusammen mit seinen Freunden in das Amtshaus zu ihren Müttern gebracht. Dort wurde den jüdischen Frauen gesagt: "Wenn ihr eure Männer lebend wieder sehen wollt, müsst ihr euren gesamten Grundbesitz verkaufen."

Noch am selben Tag, kam ein Vertreter der Stadt Schmallenberg. Er hatte Verträge vorbereitet. Alle Frauen haben die Verträge unterschrieben. Irgendwann kamen alle Männer aus Dortmund zurück. Hans und sein Bruder baten ihren Vater Deutschland zu verlassen. Er meinte: "Uns wird nichts passieren, ich habe für Deutschland gekämpft." Am 27. Februar 1943 wurden die Juden am helllichten Tag in Dortmund zum Bahnhof getrieben. Dort sperrte man sie zu 70 Personen in Viehwagons. Unterwegs wurde der letzte Wagon mit dem Gepäck abgehängt. Hans erzählte es leise seinem Vater, der darauf sagte: "Dort wo wir jetzt hingebracht werden, brauchen wir kein Gepäck mehr."

Noch am selben Tag kamen sie in Auschwitz an. Hans sagte zu seinem Bruder, er mache sich älter. Dies hat er getan, weil Leute unter 16 und über 50 zum Arbeiten nicht zu gebrauchen waren. Sie wurden sofort vergast oder erschossen. Er bekam die Häftlingsnummer 104.920 in den Arm tätowiert. Der Blockälteste sagte zu ihnen: "Dort wo sich der Himmel rot färbt, werden eure Angehörigen umgebracht."

Hans Frankenthal war 770 Tage im KZ und hat davon an 600 Tagen den Himmel rot gesehen. Er hat zweimal das KZ gewechselt. Im Mai 1945 wurde er von der roten Armee befreit. Leute einer Jüdischen Organisation fragten Hans Frankenthal und seinen Bruder, in welchem Land sie nun leben wollten. Sie wollten zurück nach Schmallenberg. Das haben sie geantwortet, weil ihr Vater ihnen bei der Ankunft in Auschwitz aufgetragen hatte: "Ich werde wahrscheinlich nicht überleben. Wenn ihr überlebt, geht zurück nach Schmallenberg. Ich habe bei der Nachbarin sämtliche Papiere und Unterlagen versteckt."

Die Leute der jüdischen Organisation haben sie gefragt, warum sie in das Land zurück wollen, das ihnen so etwas Schreckliches angetan hat. Als sie in Schmallenberg ankamen, sah sie die Nachbarin, und sie rannte sofort zu ihnen. Es fragte die beiden aber keiner, was mit ihren Eltern passiert war, oder was überhaupt geschehen war. Sie gingen zu einem Bildhauer und ließen sich einen Grabstein meißeln. Diesen Grabstein stellten sie in der Innenstadt, wo früher die Synagoge gestanden hatte. So wollten sie die Leute dazu bringen, zu fragen, was im Krieg wirklich mit den Juden geschehen war. Doch keiner zeigte Interesse daran.

Später gab es Wiedergutmachungsgesetze. Für das Nichterlernen eines Berufes bekam Hans Frankenthal 10 000 DM und 5 DM Haftentschädigung pro Tag. In den Kneipen sprach man über die gute alte Zeit und darüber, wie schön der Krieg war. Man fragte Hans, wo er denn im Krieg gewesen war, und er antwortete: "Ich war in Auschwitz." "Was war Auschwitz?" fragte man ihn. "Ein Menschenvernichtungslager." Er wurde als Lügner bezeichnet. Er hat sehr unter der Missachtung gelitten.

Hans Frankenthal, der vor ein paar Moanten verstarb, meinte in einem früheren Gespräch, dass erst seit den 80 ziger Jahren die Jugend bereit sei, die Geschichte aufzuarbeiten.
Stefan Laumann Kl. 10A2, Katholische Hauptschule Attendorn.


Meinungen:

Ich fand es echt stark, von Hans Frankenthal dies alles zu erzählen, denn die meisten Menschen, die diese Zeit miterlebt haben, wollen diese Zeit vergessen. Aber diese schreckliche Zeit darf nicht vergessen werden.
Daniel Selter

Als ich den Film sah, hat es mich schon sehr mitgerissen. Das kann ich mir richtig vorstellen, dass Hans Frankenthal damals viel durchgemacht hat. Wir sollten alle weniger Gewalt ausüben. Ich denke, dass wir die damalige Zeit nicht einfach vergessen sollten, wir sollten darüber reden. Es war einfach zu schrecklich.
Natalie Ballon

Ich finde das, was Hans Frankenthal und seiner Familie angetan wurde, schrecklich. Ich glaube, wenn ich so lange in einem KZ eingesperrt wäre, würde ich verrückt. Ich kann ihn sehr gut verstehen wie er sich fühlt, weil ihm keiner glaubt. Er ist mit seinen Erinnerungen alleine.
Melanie Schied

Hans Frankenthal hatte ein schweres Leben. Während der Kriegszeit verlor er seine Eltern und war selber 770 Tage lang im KZ. Ich an seiner Stelle könnte nicht über die Kriegszeit sprechen. An seinem Verhalten merkt man, dass Hans Frankenthal eine sehr starke Persönlichkeit ist.
Sabrina Cramer

Ich denke, es wird immer noch viel zu wenig darüber geredet. Man sollte der Jugend viel bewusster machen, was dort geschehen ist, denn es werden noch viel zu viele Witze darüber gemacht.
Janine Köster

Wir dürfen keine Mitmenschen wegen der Religion oder Hautfarbe kritisieren.
Christian Schmidt

Ich denke, dass was Herr Frankenthal durchgemacht hat, ist so grausam, dass viele Leute gar nicht glauben wollen, dass so was in Deutschland passiert ist. Ich fühle mich miserabel, wenn ich darüber nachdenke.
Sebastian Groß

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erschienen in der WP Olpe am 21. Dezember 2001

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