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Attendorn/Bonn.
(wp)
Im Rahmen der "Aktionen gegen Rechts" fuhren die Klassen 10
der Katholischen Hauptschule in Attendorn nach Bonn ins Haus der Geschichte.
In der Abteilung "Last und Verantwortung der Vergangenheit"
stießen wir auf ein Video, auf dem Hans Frankenthal, ein Jude
aus Schmallenberg seinen Lebensweg schildert :
Hans Frankenthal wurde 1926 in Schmallenberg (Kreis Meschede) geboren
und starb 2001. Er hatte in einer religiösen jüdischen Familie
gelebt. Er ging auf die Katholische Volksschule und wuchs auf wie alle
anderen Kinder. Dieses änderte sich 1938 nach der Reichskristallnacht.
Die SS und SA drangen in die Schule ein. Als es schellte, rannten alle
Kinder raus, und die jüdischen Kinder wurden verhaftet. Hans Frankenthal
wurde zusammen mit seinen Freunden in das Amtshaus zu ihren Müttern
gebracht. Dort wurde den jüdischen Frauen gesagt: "Wenn ihr
eure Männer lebend wieder sehen wollt, müsst ihr euren gesamten
Grundbesitz verkaufen."
Noch am selben Tag, kam ein Vertreter der Stadt Schmallenberg. Er hatte
Verträge vorbereitet. Alle Frauen haben die Verträge unterschrieben.
Irgendwann kamen alle Männer aus Dortmund zurück. Hans und
sein Bruder baten ihren Vater Deutschland zu verlassen. Er meinte: "Uns
wird nichts passieren, ich habe für Deutschland gekämpft."
Am 27. Februar 1943 wurden die Juden am helllichten Tag in Dortmund
zum Bahnhof getrieben. Dort sperrte man sie zu 70 Personen in Viehwagons.
Unterwegs wurde der letzte Wagon mit dem Gepäck abgehängt.
Hans erzählte es leise seinem Vater, der darauf sagte: "Dort
wo wir jetzt hingebracht werden, brauchen wir kein Gepäck mehr."
Noch am selben Tag kamen sie in Auschwitz an. Hans sagte zu seinem Bruder,
er mache sich älter. Dies hat er getan, weil Leute unter 16 und
über 50 zum Arbeiten nicht zu gebrauchen waren. Sie wurden sofort
vergast oder erschossen. Er bekam die Häftlingsnummer 104.920 in
den Arm tätowiert. Der Blockälteste sagte zu ihnen: "Dort
wo sich der Himmel rot färbt, werden eure Angehörigen umgebracht."
Hans Frankenthal war 770 Tage im KZ und hat davon an 600 Tagen den Himmel
rot gesehen. Er hat zweimal das KZ gewechselt. Im Mai 1945 wurde er
von der roten Armee befreit. Leute einer Jüdischen Organisation
fragten Hans Frankenthal und seinen Bruder, in welchem Land sie nun
leben wollten. Sie wollten zurück nach Schmallenberg. Das haben
sie geantwortet, weil ihr Vater ihnen bei der Ankunft in Auschwitz aufgetragen
hatte: "Ich werde wahrscheinlich nicht überleben. Wenn ihr
überlebt, geht zurück nach Schmallenberg. Ich habe bei der
Nachbarin sämtliche Papiere und Unterlagen versteckt."
Die Leute der jüdischen Organisation haben sie gefragt, warum sie
in das Land zurück wollen, das ihnen so etwas Schreckliches angetan
hat. Als sie in Schmallenberg ankamen, sah sie die Nachbarin, und sie
rannte sofort zu ihnen. Es fragte die beiden aber keiner, was mit ihren
Eltern passiert war, oder was überhaupt geschehen war. Sie gingen
zu einem Bildhauer und ließen sich einen Grabstein meißeln.
Diesen Grabstein stellten sie in der Innenstadt, wo früher die
Synagoge gestanden hatte. So wollten sie die Leute dazu bringen, zu
fragen, was im Krieg wirklich mit den Juden geschehen war. Doch keiner
zeigte Interesse daran.
Später gab es Wiedergutmachungsgesetze. Für das Nichterlernen
eines Berufes bekam Hans Frankenthal 10 000 DM und 5 DM Haftentschädigung
pro Tag. In den Kneipen sprach man über die gute alte Zeit und
darüber, wie schön der Krieg war. Man fragte Hans, wo er denn
im Krieg gewesen war, und er antwortete: "Ich war in Auschwitz."
"Was war Auschwitz?" fragte man ihn. "Ein Menschenvernichtungslager."
Er wurde als Lügner bezeichnet. Er hat sehr unter der Missachtung
gelitten.
Hans Frankenthal, der vor ein paar Moanten verstarb, meinte in einem
früheren Gespräch, dass erst seit den 80 ziger Jahren die
Jugend bereit sei, die Geschichte aufzuarbeiten.
Stefan Laumann Kl. 10A2, Katholische Hauptschule Attendorn.
Meinungen:
Ich fand es echt stark, von Hans Frankenthal dies alles zu erzählen,
denn die meisten Menschen, die diese Zeit miterlebt haben, wollen diese
Zeit vergessen. Aber diese schreckliche Zeit darf nicht vergessen werden.
Daniel Selter
Als ich den Film sah, hat es mich schon sehr mitgerissen. Das kann ich
mir richtig vorstellen, dass Hans Frankenthal damals viel durchgemacht
hat. Wir sollten alle weniger Gewalt ausüben. Ich denke, dass wir
die damalige Zeit nicht einfach vergessen sollten, wir sollten darüber
reden. Es war einfach zu schrecklich.
Natalie Ballon
Ich finde das, was Hans Frankenthal und seiner Familie angetan wurde,
schrecklich. Ich glaube, wenn ich so lange in einem KZ eingesperrt wäre,
würde ich verrückt. Ich kann ihn sehr gut verstehen wie er
sich fühlt, weil ihm keiner glaubt. Er ist mit seinen Erinnerungen
alleine.
Melanie Schied
Hans Frankenthal hatte ein schweres Leben. Während der Kriegszeit
verlor er seine Eltern und war selber 770 Tage lang im KZ. Ich an seiner
Stelle könnte nicht über die Kriegszeit sprechen. An seinem
Verhalten merkt man, dass Hans Frankenthal eine sehr starke Persönlichkeit
ist.
Sabrina Cramer
Ich denke, es wird immer noch viel zu wenig darüber geredet. Man
sollte der Jugend viel bewusster machen, was dort geschehen ist, denn
es werden noch viel zu viele Witze darüber gemacht.
Janine Köster
Wir dürfen
keine Mitmenschen wegen der Religion oder Hautfarbe kritisieren.
Christian Schmidt
Ich denke, dass was Herr Frankenthal durchgemacht hat, ist so grausam,
dass viele Leute gar nicht glauben wollen, dass so was in Deutschland
passiert ist. Ich fühle mich miserabel, wenn ich darüber nachdenke.
Sebastian Groß
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