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 4 a) Der Langwellensender Europe No1:

 

 

Franz�sischer Privatrundfunk, ausgestrahlt im Saarland seit 1955

 

 

(von Karl Presser und Rainer Freyer)          

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Weitere Seiten im Rundfunk-Kapitel: Rundfunkgeschichte - Radio Saarbr�cken - Pers�nl. Erinnerungen - Reporter & �-Wagen - Die

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ImageWir berichten auf Saar-Nostalgie �ber Europe No. 1, weil die Geschichte dieses franz�sischen Senders auf saarl�ndischem Territorium in der Zeit des Saarstaats begann und mit dessen Regierung eng verbunden war, und weil seine Entwicklung auch mit derjenigen von Radio und TV in unserem Saarland verkn�pft war (siehe dazu hier weiter unten und auf unseren Seiten Geschichte des Rundfunks und Telesaar).

 

Bilder von den Sende-Anlagen und -Antennen von Europe 1 und von dem Antennen-Unfall im Jahr 2012 finden Sie auf >dieser Seite.

Infos und Fotos �ber das Geb�ude des ehemaligen Senders gibt es auch auf der Website des Instituts f�r aktuelle Kunst zu sehen. 

Wie 1959 einer der 270 m hohen Sendemaste um 102 Meter verschoben wurde: auf unserer Sonderseite Sendemast auf Wanderschaft

 

Neueste Entwicklung: Am 27.Oktober 2020 wurden von einer Spezialfirma die beiden bis dahin in Berus noch stehenden Antennenmasten des Langwellen-Senders Europe 1 gesprengt. Wir berichten dar�ber im untersten Teil unserer Seite Antennen von Europa 1.



1) Die Entstehungs-Geschichte des Langwellen-Senders Europe No 1

 

Johannes Hoffmann ("JoHo") und Gilbert Grandval sch�tzten beide Rundfunk und Fernsehen als die beherrschenden Medien der Zukunft ein. Bereits ab M�rz 1946 arbeitete der saarl�ndische Rundfunksender Radio Saarbr�cken. Dessen Generaldirektor wurde 1949 der Franzose Fr�d�ric Billmann, welcher zuvor das Informationsamt im Hohen Kommissariat Grandvals geleitet hatte.  

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Staatsmann JoHo wollte nicht nur ein Rundfunk-, sondern auch ein eigenes Fernsehprogramm f�r das Saarland. Daf�r fehlten aber in jeder Hinsicht die Mittel. Den Akteuren um Billmann war bekannt, dass in Monaco ein von dem (vermutlich staatenlosen) Gesch�ftsmann Charles Michelson geplantes Fernsehprogramm gesendet werden sollte. Dieser gr�ndete dort zusammen mit Rainier von Monaco ein Medienunternehmen, die "Images et Son", und begann zun�chst mit werbefinanziertem Tonrundfunk.

 

Das Gesch�ftsmodell schien auch f�r das Saarland geeignet zu sein. Basis f�r den Rundfunk im Saarland war der Milit�rerlass Nr. 46 von General Pierre Koenig aus dem Jahr 1946 �ber die Errichtung eines Rundfunkamts, das mit der Leitung des Senders Saarbr�cken beauftragt wurde. Damit war im sp�teren Saarland nur dieser Sender legal. Als oberste �berwachungsinstanz wurde Gouverneur Grandval bestimmt.

Foto: Chefredakteur Wilhelm Diederich (ganz links) und Generaldirektor Fr�d�ric Billmann (rechts neben ihm) von Radio Saarbr�cken besichtigen im Jahr 1954 den Rohbau der Senderhalle von Europe No. 1 (er ist auch im Hintergrund des Fotos hier unten zu sehen!).

Billmann und Michelson hatten zwar Rundfunkerfahrung, waren aber keine Techniker. �ber Verbindungen zur RTF (Radio-T�l�vision Fran�aise, also der staatlichen franz�sischen Rundfunk- und Fernsehanstalt), gerieten sie an Henri de France.

 

Dieser war, mit seiner Firma „Radio Industrie“, auch in der Lage, Studioausr�stungen und Empfangsger�te zu bauen. Michelson trug zusammen mit Billmann bei JoHo und Grandval das geplante Gesch�ftskonzept vor. Sie machten den beiden klar, dass ein saarl�ndischer Fernsehsender nur durch ein zus�tzliches privates Rundfunkprogramm f�r Frankreich und den daraus zu erwartenden Werbeeinnahmen finanziert werden konnte. So jedenfalls klingt eine weit verbreitete Version.

 

Es ist aber ebenso gut m�glich, dass Michelson und Billmann von vorne herein einen franz�sisch- sprachigen privaten Werbe-Rundfunksender mit Standort im Saarland zum Ziel hatten. Die Gegenleistung daf�r sollte der Aufbau von Telesaar sein, wie der SPIEGEL in seiner Ausgabe 1/1961 vermutete. Diese Darstellung setzt allerdings die an diesen Verhandlungen beteiligten Politiker dem Verdacht aus, dass sie damit das sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bestehende Verbot privaten Rundfunks von Anfang an umgehen wollten.

 

Michelson legte einen f�r sich und die anderen Financiers g�nstigen Vertragsentwurf �ber eine Dauer von 50 Jahren vor, der nahezu alle vertraglichen und finanziellen Risiken dieses Koppel-Gesch�ftes auf das Saarland abw�lzte. Au�erdem enthielt der Vertrag den Passus, dass Fernsehen im Saarland den 819-Zeilen- Standard verwenden m�sse. Nach einigen �nderungen stimmte JoHo im Fr�hjahr 1952 dem Handel zu.  

 

Unmittelbar nach dem Abschluss des Vertrags vom 16. Mai 1952 �ber die Gr�ndung der Saarl�ndischen Fernseh-AG wurde mit dieser Gesellschaft zwecks Finanzierung auch der Vertrag �ber den geplanten franz�sischen Rundfunksender (Europe 1) unter Dach und Fach gebracht. Die Vertreter des Saarlandes stimmten ihm nur unter folgenden Vorbehalten zu: Die Betreiber des Senders mussten sich selbst um eine Sendefrequenz bem�hen, aus seinem Betrieb durften keine finanziellen Nachteile f�r Radio Saarbr�cken entstehen, Sendungen waren nur in franz�sischer Sprache zugelassen und Radio Saarbr�cken sollte au�erdem als Teil des Gesch�fts kostenlos einen neuen 100-kW-Mittelwellen- Sender am Standort Felsberg-Berus erhalten (siehe auch auf unserer Seite Geschichte des Rundfunks im Abschnitt B, unter "Ab 1953").

  

Das neue Rundfunkgesetz, das diese Vertr�ge legalisierte, wurde am 18. Juni 1952 vom Landtag angenommen. Nach Gr�ndung der "Saarl�ndischer Rundfunk GmbH" im Oktober 1952 wurden die Vertr�ge sicherheitshalber nochmals unterschrieben. Billmann hatte zuvor noch daf�r gesorgt, dass die Saarbr�cker Radio- Reklame Teil der Fernseh AG wurde (sie blieb es bis 1957). Sein sp�terer Wechsel vom Saarl�ndischen Rundfunk als General- direktor zur Fernseh AG konnte da kaum noch �berraschen. Deren Vorstandsvorsitzender war damals Henri de France.

Da "Radio Industrie" die eigentlichen Sender nicht planen und bauen konnte, erhielt hierf�r und f�r den angedachten (aber nie verwirklichten) neuen Mittelwellensender f�r Radio Saarbr�cken (siehe oben) die Compagnie Fran�aise Thomson-Houston (CFTH) den Auftrag. F�r den Langwellensender auf dem Sauberg war zun�chst eine Leistung von 2 x 200 kW vorgesehen.

 

Der 59 m hohe Fernseh-Antennenturm, der auf den beiden Bildern oben  links hinter dem Sendegeb�ude von Europe No. 1 zu sehen ist, wurde f�r einen urspr�nglich ebenfalls geplanten TV-Sender mit dem Namen "Europa No. 1 Television" errichtet, der aber nie zustande kam (vgl. auf unserer Seite Rundfunkgeschichte im Abschnitt "Ab 1953" unter 3). Dieser h�tte ein "europ�isches Fernseh-Programm" ausstrahlen sollen. Die riesige Sendehalle auf dem Sauberg wurde wohl haupts�chlich deshalb so bombastisch ausgelegt, weil sie au�er dem LW-Sender auch die Studios und Produktionsr�ume dieses geplanten TV-Senders beherbergen und gegebenenfalls gen�gend Raum bieten sollte f�r gr��ere Publikums-Veranstaltungen.             

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Senderhalle, Fernsehturm und Mast 2 des Langwellensenders, 1955

 

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Derselbe Blick auf die Halle wie oben, im Jahr 2010 (Foto R. Freyer)

 

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In der Halle - Bild oben: So sah es dort in den 50er-Jahren aus. Der Techniker (links im Bild) steuerte von seinem Pult aus die Anlage. 

Bild unten: Besuchern wird in sp�teren Jahren die Halle gezeigt.

Die Antennen auf dem Fernsehturm neben der gro�en Halle von Europe No. 1 in Berus wurden jedoch nur ein einziges Mal f�r kurze Zeit in Betrieb genommen, und zwar im Januar 1958. Sie strahlten dabei aber nicht etwa das urspr�nglich geplante neue "europ�ische Fernseh-Programm" aus - das ja nie zustande kam -, sondern sie �bernahmen lediglich f�r eine sehr kurze Zeit die Sendungen der saarl�ndischen Fernsehstation Telesaar*).

 

Aber die Deutsche Bundespost, auf die mit dem politischen Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik am 1. Januar 1957 auch die Funkhoheit an der Saar �bergegangen war, verf�gte schon zehn Tage nach dem Beginn dieser nicht genehmigten TV-Sendungen, dass sie sofort wieder eingestellt werden mussten. Seitdem ist dieser Turm - bis heute - als Sendeturm ungenutzt geblieben.

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Halle

*) Die saarl�ndische Fernsehstation Telesaar hatte bereits am 23. Dezember 1953 in Saarbr�cken ihren Sendebetrieb aufgenommen.

Der Sender T�l�-Monte Carlo, der das Gesch�ftsmodell f�r Telesaar geliefert hatte, ging dagegen erst am 19. November 1954 in Monaco auf Sendung. - Die Abstrahlung des Telesaar-TV-Programms erfolgte zun�chst aber nicht von Berus aus, sondern �ber einen 100-Watt- Sender an einer Antenne auf dem Eschberger Hof in Saarbr�cken, und zwar im Fernseh-Band III auf Kanal F7

 

Ausf�hrliche Einzelheiten �ber diese Vorg�nge finden Sie auf unserer Seite Telesaar im Abschnitt 4: "Das Ende von Telesaar".

 

Ab Mitte 1954 gab es bei den Initiatoren des Langwellensenders Europe No. 1 finanzielle Probleme aufgrund einer Bankenkrise in Monaco. Eine beteiligte Bank, die Banque des M�taux Pr�cieux, hatte sich ausgerechnet bei der Finanzierung von Radio-T�l�-Monte Carlo �bernommen. Fr�d�ric Billmann war inzwischen Generaldirektor auch bei Images et Son. 

 

Im September 1954 st�rzte w�hrend der Betonarbeiten in Berus zu allem �bel auch noch das Dach des futuristischen Sender- Geb�udes in Form einer Muschel ein, weil die statischen Berechnungen fehlerhaft gewesen waren. Der oberste Ringanker hatte sich unter Last verformt, und das Dach riss bahnenweise ein. Der Architekt Gu�dy nahm sich aufgrund der gegen ihn vorgebrachten Vorw�rfe das Leben (siehe hierzu auch im unteren Drittel unserer Seite Bauen im Saarstaat!)

 

Nach Verbesserung der Konstruktion wurde die Decke dann 1955 mit nur 4 cm St�rke und ohne Fuge gegossen. Die Senderhalle hat eine Gr��e von etwa 46 x 86 Metern. Beheizt wurde sie mit der Abw�rme des Senders.

 

Im letzten Viertel des Jahres 1954 konnte man den Sender provisorisch aus Baracken heraus in Betrieb nehmen. Der Termin hatte sich aufgrund der Lieferzeit f�r die leistungsstarken Sende- einrichtungen ergeben, deren Bauzeit nun terminbestimmend war.

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Das Dach der gro�en Senderhalle 1955: Von oben betrachtet kann man ihre riesigen Ausma�e gut erkennen.  

Bilder der Anlage aus heutiger Zeit k�nnen Sie >hier sehen!

Bildnachweis zum Foto: Ce document provient du site Internet de (das Dokument ist von der Website der) Association Eugène Freyssinet:  www.efreyssinet-association.com

 

Den Umzug aus den Baracken in das fertige Sendergeb�ude und die sukzessive Komplettierung der Technik �bernahm sp�ter das Personal weitgehend in Eigenregie. - Heute steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz.

 

Am 1. Januar 1955 startete um 6:30 Uhr "offiziell" das Programm von Europe No. 1.

 

So h�rte sich die erste (dreisprachige!) Stationsansage des Senders an:

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(7 Sek.)         

dto. mit Einleitungsmusik:

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(38 Sek.)

Carillon von Europe  No. 1 (1959):

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 (9 Sek.; eine Art Pausenzeichen mit Stationsansage)

 

Da noch keine zugeteilte Frequenz zur Verf�gung stand, sendete man - ungenehmigt - zuerst auf der Frequenz 240 kHz. Vom Beginn der Sendungen an wurden die Funk-Navigationssysteme des Flughafens Genf sowie andere Langwellensender in Skandinavien gest�rt, und der Betrieb musste unverz�glich wieder eingestellt werden.

 

Einen Tag sp�ter versuchte man es auf  245 und kurz danach auf 239,5 kHz. Jetzt entstanden St�rungen und Interferenzen mit dem Langwellensender von Radio Luxembourg, der damals (ebenfalls in franz�sischer Sprache) auf 233 kHz sendete (heute arbeitet er auf 234 kHz). Billmann schaffte es nicht, sich mit den Luxemburgern g�tlich auf eine geringf�gige Frequenz�nderung beider Sender zu einigen. Sie wollten keinen neuen Wettbewerber f�r ihre Zielgruppe, die franz�sischen H�rer und Werbekunden. Als Ausweg w�hlte Europe No. 1 die Frequenz 182 kHz, die jedoch legal bereits von vier weiteren europ�ischen Stationen geteilt wurde. Deren Programme wurden jetzt besonders in den Abendstunden gest�rt. Europe No. 1 k�mmerte sich zun�chst aber nicht darum.

 

Hinsichtlich der Eigentumsverh�ltnisse des Senders war immer noch keine Ruhe eingekehrt. Die franz�sische Politik griff ein, und Michelson wurde auf Korsika festgesetzt. Der Industrielle Sylvain Floirat, bisher als Omnibusbauer bekannt [siehe hier], �bernahm, derart unterst�tzt, Mitte 1955 die Aktienmehrheit bei „Images et Son“.

 

 

Weil er sich beim Verkauf seiner Anteile �ber den Tisch gezogen f�hlte, zog Charles Michelson 1962 vor Gericht, aber ohne Erfolg. Sylvain Floirat hatte inzwischen die Gewinne bei Europe No. 1 zum Sprudeln gebracht. Der Sender sollte sp�ter, wie Michelson wohl fr�hzeitig ahnte, j�hrliche Renditen im hohen zweistelligen Prozentbereich auf sein Eigenkapital einfahren.

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Die Sendemasten von Europe 1 in Sichtweite des Grenzsteins zu Frankreich

 

Als Senderstandort f�r den Langwellen- und den Fernsehsender hatte man aus ausbreitungstechnischen Gr�nden das Plateau des Saubergs zwischen den Gemeinden Berus und Felsberg in etwa 365 m Meeresh�he ausgew�hlt. Dieser Standort hatte zudem den Vorteil, nur einen Steinwurf von der franz�sischen Grenze entfernt zu liegen - siehe nachfolgende Kartenskizze:

 

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1) Die Entstehungs-Geschichte des Langwellen-Senders Europe No 1

 

Johannes Hoffmann ("JoHo") und Gilbert Grandval sch�tzten beide Rundfunk und Fernsehen als die beherrschenden Medien der Zukunft ein. Bereits ab M�rz 1946 arbeitete der saarl�ndische Rundfunksender Radio Saarbr�cken. Dessen Generaldirektor wurde 1949 der Franzose Fr�d�ric Billmann, welcher zuvor das Informationsamt im Hohen Kommissariat Grandvals geleitet hatte.  

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Staatsmann JoHo wollte nicht nur ein Rundfunk-, sondern auch ein eigenes Fernsehprogramm f�r das Saarland. Daf�r fehlten aber in jeder Hinsicht die Mittel. Den Akteuren um Billmann war bekannt, dass in Monaco ein von dem (vermutlich staatenlosen) Gesch�ftsmann Charles Michelson geplantes Fernsehprogramm gesendet werden sollte. Dieser gr�ndete dort zusammen mit Rainier von Monaco ein Medienunternehmen, die "Images et Son", und begann zun�chst mit werbefinanziertem Tonrundfunk.

 

Das Gesch�ftsmodell schien auch f�r das Saarland geeignet zu sein. Basis f�r den Rundfunk im Saarland war der Milit�rerlass Nr. 46 von General Pierre Koenig aus dem Jahr 1946 �ber die Errichtung eines Rundfunkamts, das mit der Leitung des Senders Saarbr�cken beauftragt wurde. Damit war im sp�teren Saarland nur dieser Sender legal. Als oberste �berwachungsinstanz wurde Gouverneur Grandval bestimmt.

Foto: Chefredakteur Wilhelm Diederich (ganz links) und Generaldirektor Fr�d�ric Billmann (rechts neben ihm) von Radio Saarbr�cken besichtigen im Jahr 1954 den Rohbau der Senderhalle von Europe No. 1 (er ist auch im Hintergrund des Fotos hier unten zu sehen!).

Billmann und Michelson hatten zwar Rundfunkerfahrung, waren aber keine Techniker. �ber Verbindungen zur RTF (Radio-T�l�vision Fran�aise, also der staatlichen franz�sischen Rundfunk- und Fernsehanstalt), gerieten sie an Henri de France.

 

Dieser war, mit seiner Firma „Radio Industrie“, auch in der Lage, Studioausr�stungen und Empfangsger�te zu bauen. Michelson trug zusammen mit Billmann bei JoHo und Grandval das geplante Gesch�ftskonzept vor. Sie machten den beiden klar, dass ein saarl�ndischer Fernsehsender nur durch ein zus�tzliches privates Rundfunkprogramm f�r Frankreich und den daraus zu erwartenden Werbeeinnahmen finanziert werden konnte. So jedenfalls klingt eine weit verbreitete Version. Es ist aber ebenso gut m�glich, dass Michelson und Billmann von vorne herein einen franz�sisch- sprachigen privaten Werbe-Rundfunksender mit Standort im Saarland zum Ziel hatten. Die Gegenleistung daf�r sollte der Aufbau von Telesaar sein, wie der SPIEGEL in seiner Ausgabe 1/1961 vermutete. Diese Darstellung setzt allerdings die an diesen Verhandlungen beteiligten Politiker dem Verdacht aus, dass sie damit das sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bestehende Verbot privaten Rundfunks von Anfang an umgehen wollten.

 

Michelson legte einen f�r sich und die anderen Financiers g�nstigen Vertragsentwurf �ber eine Dauer von 50 Jahren vor, der nahezu alle vertraglichen und finanziellen Risiken dieses Koppel-Gesch�ftes auf das Saarland abw�lzte. Au�erdem enthielt der Vertrag den Passus, dass Fernsehen im Saarland den 819-Zeilen- Standard verwenden m�sse. Nach einigen �nderungen stimmte JoHo im Fr�hjahr 1952 dem Handel zu.  

 

Unmittelbar nach dem Abschluss des Vertrags vom 16. Mai 1952 �ber die Gr�ndung der Saarl�ndischen Fernseh-AG wurde mit dieser Gesellschaft zwecks Finanzierung auch der Vertrag �ber den geplanten franz�sischen Rundfunksender (Europe 1) unter Dach und Fach gebracht. Die Vertreter des Saarlandes stimmten ihm nur unter folgenden Vorbehalten zu: Die Betreiber des Senders mussten sich selbst um eine Sendefrequenz bem�hen, aus seinem Betrieb durften keine finanziellen Nachteile f�r Radio Saarbr�cken entstehen, Sendungen waren nur in franz�sischer Sprache zugelassen und Radio Saarbr�cken sollte au�erdem als Teil des Gesch�fts kostenlos einen neuen 100-kW-Mittelwellen- Sender am Standort Felsberg-Berus erhalten (siehe auch auf unserer Seite Geschichte des Rundfunks im Abschnitt B, unter "Ab 1953").

  

Das neue Rundfunkgesetz, das diese Vertr�ge legalisierte, wurde am 18. Juni 1952 vom Landtag angenommen. Nach Gr�ndung der "Saarl�ndischer Rundfunk GmbH" im Oktober 1952 wurden die Vertr�ge sicherheitshalber nochmals unterschrieben. Billmann hatte zuvor noch daf�r gesorgt, dass die Saarbr�cker Radio- Reklame Teil der Fernseh AG wurde (sie blieb es bis 1957). Sein sp�terer Wechsel vom Saarl�ndischen Rundfunk als General- direktor zur Fernseh AG konnte da kaum noch �berraschen. Deren Vorstandsvorsitzender war damals Henri de France.

Da "Radio Industrie" die eigentlichen Sender nicht planen und bauen konnte, erhielt hierf�r und f�r den angedachten (aber nie verwirklichten) neuen Mittelwellensender f�r Radio Saarbr�cken (siehe oben) die Compagnie Fran�aise Thomson-Houston (CFTH) den Auftrag. F�r den Langwellensender auf dem Sauberg war zun�chst eine Leistung von 2 x 200 kW vorgesehen.

 

Der 59 m hohe Fernseh-Antennenturm, der auf den beiden Bildern oben  links hinter dem Sendegeb�ude von Europe No. 1 zu sehen ist, wurde f�r einen urspr�nglich ebenfalls geplanten TV-Sender mit dem Namen "Europa No. 1 Television" errichtet, der aber nie zustande kam (vgl. auf unserer Seite Rundfunkgeschichte im Abschnitt "Ab 1953" unter 3). Dieser h�tte ein "europ�isches Fernseh-Programm" ausstrahlen sollen. Die riesige Sendehalle auf dem Sauberg wurde wohl haupts�chlich deshalb so bombastisch ausgelegt, weil sie au�er dem LW-Sender auch die Studios und Produktionsr�ume dieses geplanten TV-Senders beherbergen und gegebenenfalls gen�gend Raum bieten sollte f�r gr��ere Publikumsveranstaltungen.             

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Senderhalle, Fernsehturm und Mast 2 des Langwellensenders, 1955

 

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Derselbe Blick auf die Halle wie oben, im Jahr 2010 (Foto R. Freyer)

 

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In der Halle - Bild oben: So sah es dort in den 50er-Jahren aus. Der Techniker (links im Bild) steuerte von seinem Pult aus die Anlage. 

  Bild unten: In sp�teren Jahren wird Besuchern die Halle gezeigt.

Die Antennen auf dem Fernsehturm neben der gro�en Halle von Europe No. 1 in Berus wurden jedoch nur ein einziges Mal f�r kurze Zeit in Betrieb genommen, und zwar im Januar 1958. Sie strahlten dabei aber nicht etwa das urspr�nglich geplante neue "europ�ische Fernseh-Programm" aus - das ja nie zustande kam -, sondern sie �bernahmen lediglich f�r eine sehr kurze Zeit die Sendungen der saarl�ndischen Fernsehstation Telesaar*).

 

Aber die Deutsche Bundespost, auf die mit dem politischen Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik am 1. Januar 1957 auch die Funkhoheit an der Saar �bergegangen war, verf�gte schon zehn Tage nach dem Beginn dieser nicht genehmigten TV-Sendungen, dass sie sofort wieder eingestellt werden mussten. Seitdem ist dieser Turm - bis heute - als Sendeturm ungenutzt geblieben.

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*) Die saarl�ndische Fernsehstation Telesaar hatte bereits am 23. Dezember 1953 in Saarbr�cken ihren Sendebetrieb aufgenommen.

Der Sender T�l�-Monte Carlo, der das Gesch�ftsmodell f�r Telesaar geliefert hatte, ging dagegen erst am 19. November 1954 in Monaco auf Sendung. - Die Abstrahlung des Telesaar-TV-Programms erfolgte zun�chst aber nicht von Berus aus, sondern �ber einen 100-Watt- Sender an einer Antenne auf dem Eschberger Hof in Saarbr�cken, und zwar im Fernseh-Band III auf Kanal F7

 

Ausf�hrliche Einzelheiten �ber diese Vorg�nge finden Sie auf unserer Seite Telesaar im Abschnitt 4: "Das Ende von Telesaar".

 

Ab Mitte 1954 gab es bei den Initiatoren des Langwellensenders Europe No. 1 finanzielle Probleme aufgrund einer Bankenkrise in Monaco. Eine beteiligte Bank, die Banque des M�taux Pr�cieux, hatte sich ausgerechnet bei der Finanzierung von Radio-T�l�-Monte Carlo �bernommen. Fr�d�ric Billmann war inzwischen Generaldirektor auch bei Images et Son. 

 

Im September 1954 st�rzte in Berus w�hrend der Betonarbeiten an dem futuristischen Sende-Geb�ude in Form einer Muschel (siehe Bild rechts) zu allem �bel auch noch das Dach ein, weil die statischen Berechnungen fehlerhaft gewesen waren. Der oberste Ringanker hatte sich unter Last verformt, und das Dach riss bahnenweise ein - siehe hierzu auch auf unserer Seite Bauen im Saarstaat am Ende von Abschnitt A!) Der Architekt Gu�dy nahm sich aufgrund der gegen ihn vorgebrachten Vorw�rfe das Leben.

 

Nach Verbesserung der Konstruktion wurde die Decke dann 1955 mit nur 4 cm St�rke und ohne Fuge gegossen.

 

Die Senderhalle hat eine Gr��e von etwa 46 x 86 Metern. Beheizt wurde sie mit der Abw�rme des Senders.

 

Im letzten Viertel des Jahres 1954 konnte man den Sender pro- visorisch aus Baracken heraus in Betrieb nehmen. Dieser Termin hatte sich aufgrund der Lieferzeit f�r die leistungsstarken Sende- einrichtungen ergeben, deren Bauzeit nun terminbestimmend war.

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Das Dach der gro�en Senderhalle 1955: Von oben betrachtet kann man ihre riesigen Ausma�e gut erkennen.

Bilder der Anlage aus heutiger Zeit k�nnen Sie >hier sehen!


Den Umzug aus den Baracken in das fertige Sendergeb�ude und die sukzessive Komplettierung der Technik �bernahm sp�ter das Personal weitgehend in Eigenregie. - Heute steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz.

 

Am 1. Januar 1955 startete um 6:30 Uhr "offiziell" das Programm von Europe No. 1.

 

So h�rte sich die erste (dreisprachige!) Stationsansage des Senders an:

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(7 Sek.)      

dto. mit Einleitungsmusik:

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(38 Sek.)

Carillon von Europe  No. 1 (1959):

 Image (9 sec. - eine Art Pausenzeichen mit Stationsansage)

 

Da noch keine zugeteilte Frequenz zur Verf�gung stand, sendete man - ungenehmigt - zuerst auf der Frequenz 240 kHz. Vom Beginn der Sendungen an wurden die Funk-Navigationssysteme des Flughafens Genf sowie andere Langwellensender in Skandinavien gest�rt, und der Betrieb musste unverz�glich wieder eingestellt werden.

 

Einen Tag sp�ter versuchte man es auf  245 und kurz danach auf 239,5 kHz. Jetzt entstanden St�rungen und Interferenzen mit dem Langwellensender von Radio Luxembourg, der damals (ebenfalls in franz�sischer Sprache) auf 233 kHz sendete (heute ist arbeitet er auf 234 kHz). Billmann schaffte es nicht, sich mit den Luxemburgern g�tlich auf eine geringf�gige Frequenz�nderung beider Sender zu einigen. Sie wollten keinen neuen Wettbewerber f�r ihre Zielgruppe, die franz�sischen H�rer und Werbekunden. Als Ausweg w�hlte Europe No. 1 die Frequenz 182 kHz, die jedoch legal bereits von vier weiteren europ�ischen Stationen geteilt wurde. Deren Programme wurden jetzt besonders in den Abendstunden gest�rt. Europe No. 1 k�mmerte sich zun�chst aber nicht darum.

 

Hinsichtlich der Eigentumsverh�ltnisse des Senders war immer noch keine Ruhe eingekehrt. Die franz�sische Politik griff ein, und Michelson wurde auf Korsika festgesetzt. Der Industrielle Sylvain Floirat, bisher als Omnibusbauer bekannt [siehe hier], �bernahm, derart unterst�tzt, Mitte 1955 die Aktienmehrheit bei „Images et Son“.

Weil er sich beim Verkauf seiner Anteile �ber den Tisch gezogen f�hlte, zog Charles Michelson 1962 vor Gericht, aber ohne Erfolg. Sylvain Floirat hatte inzwischen die Gewinne bei Europe No. 1 zum Sprudeln gebracht. Der Sender sollte sp�ter, wie Michelson wohl fr�hzeitig ahnte, j�hrliche Renditen im hohen zweistelligen Prozentbereich auf sein Eigenkapital einfahren.  

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Die Sendemasten von Europe 1 in Sichtweite des Grenzsteins zu Frankreich

Senderstandort f�r den Langwellen- und den Fernsehsender hatte man aus ausbreitungstechnischen Gr�nden das Plateau des Saubergs zwischen den Gemeinden Berus und Felsberg in etwa 365 m Meeresh�he ausgew�hlt. Dieser Standort hatte zudem den Vorteil, nur einen Steinwurf von der franz�sischen Grenze entfernt zu liegen - siehe nachfolgende Kartenskizze:

 

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Image2) Die Antennenanlage von Europe No 1

 

Der Sendebetrieb war 1954/55 mit nur zwei Antennen-Masten aufgenommen worden. Bald kam ein dritter Mast hinzu.

 

Weil das inzwischen nach der R�ckgliederung der Saar auch hier zust�ndige Bundespostministerium die Minimierung der St�rung anderer gleichkanaliger Sender gefordert hatte, musste man 1959 einen der Maste in aufgebautem Zustand um eine 102 m lange Strecke verschieben. Dies war eine, so erstmals ausgef�hrte, technische Glanzleistung.

 

Mehr dazu k�nnen Sie jetzt auf dieser Seite in einem interessanten Zeitungsbericht nachlesen. 

1974 wurde die Antennenanlage schlie�lich auf vier Maste erweitert (siehe Foto oben). Die Masth�hen der Hauptantennenanlage betrugen nun von S�dwesten her 270 m, 276 m, 280 m und 282 m.

 

Durch ihre Anordnung und eine geeignete Aufteilung der gesamten Sendeleistung auf die einzelnen Masten war nun eine ausreichende D�mpfung der Abstrahlung in Richtung Nord-Osten m�glich. Die Antennenanlage war elektrisch gesehen ein hochkomplexes Gebilde und wurde hinsichtlich ihres Abstrahlungsverhaltens und der Aufteilung der Sendeleistung auf ihre einzelnen Elemente mehrfach optimiert.

 

Das elektrische Gegengewicht bildete ein Erdungssystem aus Kupferdraht. Es war 30 cm unter der Erdoberfl�che verlegt und wies eine Gesamtl�nge von 290 km auf. Charakteristisch f�r das 117 Hektar gro�e Antennenfeld waren die als abgeschirmte Reusenleitungen ausgef�hrten Speiseleitungen und die Einhausungen am Antennenfu� f�r die Anpassgliederr (siehe Bild rechts).

 

Die Maste �berstanden alle politischen und meteorologischen St�rme - bis zum 8. August 2012. An diesem Tag brach der oberste Teil des 280-m-Mastes wegen Isolatorenbruchs ab (siehe hierzu unsere Extraseite mit Bildern des havarierten Mastes). Man musste den Sender auf die Mitte der 70er-Jahre nord-westlich der Hauptantenne errichtete Reserve-Antennenanlage umschalten, die aus zwei Masten von je 234 m H�he besteht (siehe Kartenskizze weiter oben).

 

Die Frequenzverteilung im Lang- und Mittelwellenbereich war zum Ende der 50er Jahre permanent umstritten. Sch�tzungsweise die H�lfte aller Sender sendete auf nicht zugeteilten Frequenzen. Erst 1978 wurde in Genf ein neuer Wellenplan verabschiedet, der Frankreich nun die Frequenz 182 kHz offiziell zuteilte. Damit war das Thema Sendefrequenz vom Tisch. Sp�ter wurde die Frequenz geringf�gig variiert, weil, wahrscheinlich aus Gr�nden der politischen Ost-West-Entspannung, der DDR-Sender Zehlendorf (Oranienburg) nicht l�nger gest�rt werden sollte.

 

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Seitdem wurde das Programm von Europe 1 auf Langwelle 183 kHz ausgestrahlt, sp�ter auch �ber ein dichtes Netz von UKW-Sendern in Frankreich, sowie �ber Satellit. Der Langwellensender von Europe 1 war einer der weltweit st�rksten Sender. Seine Leistung wurde schon vor l�ngerer Zeit auf 2.000 kW (= 2 MW) erh�ht. Noch mehr w�re aus Ausbreitungsgr�nden nicht sinnvoll. Aber sie reichte aus, um den Sender bei Nacht �ber die Raumwelle sogar in Nordafrika gut empfangen zu k�nnen.

 

Schnell hatte man sich in Frankreich mental und politisch mit Europe No. 1 arrangiert. Der franz�sische Staat war l�ngst �ber die SOFIRAD, die Soci�t� Financière de Radiodiffusion, eingestiegen. Diese hatte Anteile von dem Industriellen und Mehrheitsaktion�r Sylvain Floirat �bernommen. Das Modell mit SOFIRAD als Anteilseigner und Beeinflusser funktionierte schon bei den anderen "Radios P�riph�riques" in Andorra, Luxemburg und Monte Carlo zur Zufriedenheit der Franzosen. Bei Gr�ndung der "Saarl�ndischer Rundfunk-GmbH"" (siehe unsere Seitee Telesaarr) war SOFIRAD ebenfalls mit 30% beteiligt..

 

Die Studios von Europe No. 1 befanden sich von Anfang an (und sind bis heute) in Paris in der Rue Fran�ois 1er (sie waren vorher von der Voice of America benutzt worden). Das Tonsignal lief von dort aus �ber eine Rundfunk-Zuspiel-Leitung ins Saarland bis zum Sauberg. Hier war nur ein Notstudio eingerichtet, in dem man lediglich einen Sprecherplatz, zwei Bandmaschinen und zwei Plattenspieler vorhielt. Europe (No.) 1 war und ist also eine reine Sendestation. Rundfunk wurde dort nie "gemacht", sondern nur ausgestrahlt. Viele weitere Bilder der Antennen des LW-Senders Europe 1 aus heutiger Zeit sehen Sie >auf dieser Seite von Saar-Nostalgie.

Antennenanlage in Berus  (4 Farbfotos oben: R. Freyer)    

 

Die Vertr�ge des Senders mit dem Saarland waren, wie es so sch�n hei�t, juristisch wasserdicht. Er konnte deshalb nach dem 1.1.1957 nicht einfach unter deutsche Funkhoheit gestellt und geschlossen werden. 1964 wurde dieser Sachverhalt in einem neuen saarl�ndischen Rundfunkgesetz sogar nochmals festgeschrieben.

 

Sylvain Floirat blieb bis 1986 "Patron" von Europe 1 (das "No." im Namen wurde 1983 gestrichen). Fr�d�ric Billmann war Generaldirektor bis kurz vor seinem Tod 1973.

Die Nachrichten kamen bei Europe nicht zur vollen Stunde, sondern 30 Minuten sp�ter. Typisch war z.B. der sogenannte "Flash“, eine bisweilen auch in den Programmablauf eingeblendete kurze Nachrichtenmeldung. Mit der Marktreife eines Tonbandger�tes, das unter der Bezeichnung NAGRA III als Reportageger�t mit Batteriebetrieb f�r Au�enaufnahmen entwickelt worden war, begann die Zeit der aktuellen lokalen Blitzreportagen (dieses Modell wurde gebaut von 1958 - 1968).

 

Heute wird diese Art von Rundfunk abwertend als "Dudelfunk“ bezeichnet und gilt als typisch f�r private Sender. In Deutschland orientierte sich ab 1964 die neu konzipierte "Europawelle Saar" als erste an den Formaten

von Europe No. 1 und dem deutschen Programm von Radio Luxemburg.

 

Foto: NAGRA--TYPE3---PL-GR 1957 wikicommons CC BY-SA3.0.jpg

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Neben den Kapitaleignern und Managern gab es auch Programm-Macher der Gr�nderzeit. Man warb z.B. Louis Merlin von Radio Luxembourg ab. Er hatte ausgiebige Erfahrung mit privatem Werberundfunk und ist einer der V�ter des "formatierten Radios“, also eines Rundfunks mit klar vorgegebenen zeitlichen und inhaltlichen Strukturen.

Bei Europe No. 1 wurden z.B. die H�rer �ber die Wunschsendung "Juke Box No. 1" einbezogen, die zur besten nachmitt�glichen Sendezeit um 17 Uhr 30 lief. Jean Frydmann war ebenfalls in den 50ern mit dabei und hat eine der damals bekanntesten t�glichen Sendungen entwickelt, n�mlich "Salut les copains" (SLC). Einer ihrer sp�teren Protagonisten, "Pr�sident Rosko“, b�rgerlich Michael Pasternak, arbeitete auch f�r Radio Andorra und Radio Monte Carlo und fasste den Programmgrundsatz treffend zusammen: "Minimum de bla-bla, maximum de musique“.

 

Die weitere Entwicklung des Senders

 

Heute geh�rt Europe 1 zum Lagardère-Konzern, der auch die "Europ�ische Rundfunk- und Fernseh-GmbH" (fr�her "Fernseh AG") in Saarbr�cken) beherrscht. Diese wiederum besitzt die Sendeanlagen von Europe 1 in Felsberg-Berus und h�lt auch eine 45%ige Beteiligung an Radio Sal� in Saarbr�cken (weitere 20 % an Radio Sal� soll der SR halten).

 

Im Mai 2014 teilte die luxemburgische BCE (Broadcasting Center Europe SA) mit, dass Largadère Active sie mit dem Betrieb der Sendeanlage auf dem Felsberg beauftragt hat. BCE ist ein Dienstleister f�r Rundfunk und Fernsehen mit mehr als 200 Mitarbeitern und geh�rt zur RTL-Gruppe. Der Sender von Europe 1 wurde mit moderner Halbleitertechnik ausger�stet und die vorhandene Antennenanlage angepasst. Steuerung und �berwachung sollten nach dem Umbau von einem Kontrollzentrum (Network Operations Centre NOC) der BCE in Luxemburg aus erfolgen, an dem auch der Langwellensender in Beidweiler mit 1500 kW f�r das franz�sische RTL-Rundfunkprogramm angeschlossen ist. Ob es dazu gekommen ist, ist uns bisher nicht bekannt.

 

Am 1. August 2016 wurde �ber Presse und Rundfunk mitgeteilt, dass die gro�e Sendehalle von Europe 1 (siehe Bilder oben auf dieser Seite) an die Gemeinde �berherrn verkauft wurde. Mehr dazu ganz unten in "Neueste Entwicklung auf dem Sauberg".

 

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Viele weitere Bilder der Antennen des LW-Senders Europe 1 aus heutiger Zeit k�nnen Sie auf dieser Seite unserer Saar-Nostalgie sehen. 

 

Die Vertr�ge des Senders mit dem Saarland waren, wie es so sch�n hei�t, juristisch wasserdicht. Er konnte deshalb nach dem 1.1.1957 nicht einfach unter deutsche Funkhoheit gestellt und geschlossen werden. 1964 wurde dieser Sachverhalt in einem neuen saarl�ndischen Rundfunkgesetz sogar nochmals festgeschrieben.

 

Sylvain Floirat blieb bis 1986 "Patron" von Europe 1 (das "No." im Namen wurde 1983 gestrichen). Fr�d�ric Billmann war Generaldirektor bis kurz vor seinem Tod 1973.Zum Programm von Europe 1:

 

Bild rechts (vom Juli 2020): Der Beton-Turm des damals geplanten Fernseh-Senders "Europe 1 T�l�vision" ist einger�stet, weil er saniert werden soll. (Foto: Erhard Pitzius)

 

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Weitere Bilder der Sende-Anlagen und der Antennen von Europe 1 sowie vom Antennen-Unfall 2012 finden Sie  auf unserer Seite >Europe1 - Unfalll.


Wie im Jahr 1959 einer der �ber 270 m hohen SendemasteWie im Jahr 1959 einer der �ber 270 m hohen Sendemaste um 102 Meter verschoben wurde: siehe  >Sonderseite "Sendemast auf Wanderschaft""
 
Eu1
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Anhang:  Anmerkungen zu den Sendesprachen von Europe No 1 in der Anfangszeit der Station

 

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Franz�sisch war bei Europe No.1 zweifellos die Haupt-Sendesprache. Aber er war in seinen ersten Betriebsjahren zeitweise auch in deutscher und englischer Sprache zu h�ren. Es sind Stationsansagen in drei Sprachen (Franz�sisch,  Deutsch und Englisch) erhalten geblieben, die belegen, dass in dieser fr�hen Zeit auch deutsche und englische Ansagen und Beitr�ge �ber den Sender kamen.

 Eine solche dreisprachige Ansage k�nnen Sie hier h�ren v    

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Nicht nur aus dieser Tonaufnahme, sondern auch aus den urspr�nglichen Logos des Senders in der ersten Zeit ("Europa" statt "Europe" - siehe Bild links) geht hervor, dass der Sendername auch in deutscher Sprache genannt wurde. Au�erdem weist schon die Wahl der Namen "Europe 1"  bzw. "Europa 1"  f�r die Station auf dessen europ�ische Mehrsprachigkeit hin. Auch noch in den sp�teren 50er-Jahren strahlte Europa Nr. 1 mindestens eine regelm��ige dreisprachige Sendung unter dem Namen "Vari�t�es europ�ennes" aus (so z.B. zu lesen in der Zeitung "Deutsche Saar" vom 24. Januar 1958). Nach einiger Zeit wurde sie aber aufgrund von Protesten seitens des Saarl�ndischen Rundfunks eingestellt.

 

Beim Sender Europe No.1 war zeitweise �brigens auch die beliebte Rundfunk-Ansagerin Christa Adomeit (1925 - 2017) von Radio Saarbr�cken als deutsche Sprecherin besch�ftigt..

 

F�r die deutschsprachigen Sendungen von Europa 1 schaltete die Europ�ische Rundfunk- und Fernseh-AG auch Werbeanzeigen in unserer Sprache, in welchen sie f�r die Erteilung von (Werbe-)Auftr�gen warb. Dies kann man z.B. in dem hier unten abgebildeten Ausschnitt aus dem Branchenverzeichnis des saarl�ndischen Telefonbuchs lesen. Europa 1 wird darin als ein "Sender, der die Massen bewegt" bezeichnet. Man konnte bei der Fernseh-AG auch Werbeauftr�ge f�r den deutschsprachigen Fernsehsender TELESAAR erteilen, der ja ebenfalls von der Europ�ischen Rundfunk- und Fernseh-AG betrieben wurde (wir berichten �ber ihn ausf�hrlicherteilen, der ja ebenfalls von der Europ�ischen Rundfunk- und Fernseh-AG betrieben wurde (wir berichten �ber ihn ausf�hrlicherteilen, der ja ebenfalls von der Europ�ischen Rundfunk- und Fernseh-AG betrieben wurde (wir berichten �ber ihn ausf�hrlich auff >dieser Seite).

 

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 Bild oben: Anzeige f�r Europa 1 und Telesaar im Branchenverzeichnis des Saarl�ndischen Telefonbuchs

 

Sp�ter wurden Sendungen in deutscher Sprache �ber Europa 1durch ein saarl�ndisches Gesetz verboten. Die Saarbr�cker Zeitung schrieb am 27.11.1965::

"Im neuen Rundfunkgesetz, das der Landtag in Saarbr�cken beschlossen hat, ist ein entscheidender Punkt die Vorschrift, dass die Sendungen von Europa 1 keinerlei deutschsprachige Elemente enthalten d�rfen."  Diese Vorschrift wurde deshalb in das Gesetz eingef�gt, weil der Sender in der Zeit davor - wenigstens zeitweise - auch in deutscher Sprache gesendet hat und damit in Konkurrenz zum Saarl�ndischen Rundfunk getreten war.


Bitte beachten Sie auch den Artikel aus der Saarbr�cker Zeitung vom 27.2.1965 �ber Europe 1 ganz unten am Ende dieser Seite!!

 

 

Zur aktuellen Entwicklung auf dem Sauberg seit 1. August 2016:

Am 1. August 2016 wurde gemeldet, dass die gro�e Sendehalle von Europe 1 (siehe Bilder weiter unten!) vom Lagardère-Konzern zu einem Preis von 120.000 € an die Gemeinde �berherrn verkauft wurde (zu welcher auch der Ort Berus geh�rt). Nach Aussage von B�rgermeister Bernd Gillo wolle man innerhalb eines Jahres ein tragf�higes Konzept f�r die weitere Nutzung erarbeiten. In der Zukunft sei eine Nutzung der gro�en Sendehalle f�r Konzerte, Gastronomie und als Kongresszentrum denkbar.

 

Das Programm von Europe 1 wird weiterhin vom Sauberg aus abgestrahlt. Allerdings ist der riesige Sender in der denkmal-gesch�tzten Halle seit dem 19.10.2015 au�er Betrieb. Eine neue Sendeanlage (siehe Bilder rechts), die wesentlich kompakter ist als die alte und dem heutigen Stand der Technik entspricht, wurde in einem kleineren Geb�ude untergebracht, das in der N�he der bisherigen zweimastigen Reserveantenne steht. Diese wird jetzt als gerichtete Hauptsendeantenne betrieben. Das Areal befindet sich in unmittelbarter N�he zur deutsch-franz�sischen Grenze, geh�rt aber noch zur saarl�ndischen Gemeinde Wallerfangen (Ortsteil Ittersdorf).

 

Die neue Sendeanlage hat 750 kW und �hnelt derjenigen des Langwellen-Senders von RTL, der 2011 von TRANSRADIO (ehemals TELEFUNKEN SenderSysteme Berlin) geliefert und in Beidweiler in Luxemburg errichtet wurde. Die beiden Sender (der f�r Europe und der f�r RTL) werden nun durch das luxemburgische Unternehmen Broadcasting Center Europe - BCE von Luxemburg aus fern�berwacht und -bedient. Dadurch konnte der Umfang der Anlagen auf dem Sauberg auf das tats�chlich erforderliche Ma� beschr�nkt werden.

 

Die bisher verwendeten Speiseleitungen von der gro�en Sendehalle in Berus zur Haupt- und zur Reserveantenne sind jetzt au�er Betrieb und wurden (zumindest teilweise) abgebaut. Von dem neuen kleineren Sender-Geb�ude f�hrt jetzt eine Speiseleitung zum Mast 3 der alten Hauptantenne. Dieser Mast ist derjenige, der im September 1959 um �ber 100 m an seinen heutigen Standort verschoben worden war: siehe auf dieser Sonderseite. Er dient jetzt (alleine) bei Bedarf als Reserveantenne. Die dazugeh�rige Umschalteinrichtung befindet sich in dem neuen kleinen Geb�ude in Ittersdorf. Eine heutige aktive Funktion von dem zweiten noch stehenden ehemaligen Mast 4 ist nicht erkennbar.

 

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     (Foto: Karl Presser)      

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(2 Fotos: Jacob Roschy)    

Da die riesige alte Sendehalle f�r den Sender Europe 1 nun nicht mehr ben�tigt wird, kann sie jetzt endlich auch die ihr urspr�nglich zugedachte Aufgabe erf�llen. Man hatte sie 1954 ja nicht nur f�r die Unterbringung des LW-Senders errichtet, sondern vor allem auch, um einen w�rdigen Rahmen f�r gro�e Publikumsveranstaltungen des damals urspr�nglich geplanten (aber nie verwirklichten) europ�ischen Fernsehsenders "Europa 1 Television" zu bieten (siehe dazu weiter oben im Text unter dem 4. Bild dieser Seite). Weil es wegen des politischen Wandels im Saarland nach 1955 aber nicht mehr zu einer Er�ffnung dieses vorgesehenen TV-Senders kam, hat man die gro�e Halle sechseinhalb Jahrzehnte lang nur f�r den technischen Betrieb des Langwellensenders "Europe No. 1" verwendet (seit 1983 hei�t er "Europe 1"), der jetzt in die neue, kleinere Halle umgezogen ist (siehe oben!). Von seiner Abw�rme wurde die gro�e Halle w�hrend dieser Zeit auch beheizt.

 

Am 27. Oktober 2020 wurden von einer Spezialfirma die letzten beiden bis dahin in Berus noch stehenden Antennenmasten des Senders Europe 1 gesprengt - siehe auf unserer Seite Antennen von Europe 1 (dort ganz unten!).

 

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 F�r diese Seite verwendete Publikationen:

- Andreas Fickers: Die Anf�nge des kommerziellen Rundfunks im Saarland

- Paul Burgard: Die Saarlandmacher. In: Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kuderna (Hg.). Medienlandschaft Saar

  von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945 - 1955). M�nchen 2010

- Fritz Raff, Axel Buchholz, Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarl�ndischer Rundfunk

 

Internetbeitr�ge zum Thema Europe 1:

 

http://www.wabweb.net/radio/frames/lwf.htm

http://www.asamnet.de/~bienerhj/0183.html

http://tvignaud.pagesperso-orange.fr/am/e1/fr-e1.htm 

http://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Felsberg-Berus   

Video �ber Europe 1 (in franz�sischer Sprache): http://www.dailymotion.com/video/x14qbtz_au-coeur-de-l-histoire-d-europe-1-avec-franck-ferrand_news 


 

 
Inhalt des Kapitels Radio & Fernsehen: 


1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und danach)

  

2)  Radio Saarbr�cken:

 

     a)  Radio Saarbr�cken - der Heimatsender der Saarl�nder

     b)  Radio-Erinnerungen

     c)  Reporter und �bertragungswagenn

     d)  Die Familie Weissenbach  (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille  (beliebte Sonntagssendung mit "Zick, Zack & Marieche")     

      f)  Die Wartburgg (das Funkhaus von Radio Saarbr�cken)(das Funkhaus von Radio Saarbr�cken)

     g)  Die Orchester der Saarbr�cker Radiosenderr

     h)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler     h)  Der Mittelwellen-Sender Heusweiler

      i)  Bilder vom Heusweiler Senderr

 

3)  Fernsehen im Saarland: Vonn TELESAARR zumm SR-Fernsehenn

 

4)  Europe 1

     a)  Der private franz�sische Langwellensender Europe No 1     (diese Seite)

         b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehger�te aus saarl�ndischer Produktion

 

Diese Seite wurde begonnen am 12.8.2012; zuletzt bearbeitet am 24.2.2021

 


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 ANHANG: Die Saarbr�cker Zeitung berichtete im Februar 1965 wie folgt �ber den Sender Europa 1:

 

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